Der Angeklagte, der sich wegen Mordes und schweren Raubes verantworten muss, widerrief sein Tatgeständnis, das er im Verlauf der Ermittlungen mehrfach vor der Polizei abgelegt hatte. In einer Erklärung, die sein Verteidiger, Steffen Kalauch, verlas, behauptete er, dass ihn die Ermittler zu den Aussagen gedrängt hätten. Zudem habe er in der Zeit unter starkem Heroinentzug gelitten.Mit Tuch erdrosseltLaut Anklage der Staatsanwaltschaft Cottbus hat Stefan Sch. am 8. September vergangenen Jahres den 20 Jahre alten Mirko S. mit einem Tuch aus einem Verbandskasten in dessen Wohnung in Finsterwalde aus Habgier getötet und ihm aus der Geldbörse die Kreditkarte samt PIN-Nummer, die auf einem Zettel stand, geraubt. Damit habe der Angeklagte Geld abgehoben, um seinen Rauschgiftbedarf zu decken. Die Tat war einige Tage lang unentdeckt geblieben. Erst am 24. September wurde die bereits stark verweste Leiche in der Wohnung gefunden. Ein Mieter hatte "beißenden Geruch" im Haus wahrgenommen. Im Beisein der Polizei wurde die Wohnung geöffnet. Zunächst gingen die Ermittler davon aus, dass sich das Opfer mit einer Überdosis an Rauschgift den "Goldenen Schuss" gesetzt hatte. Äußere Verletzungen oder Würgemale wurden nach erstem Augenschein nicht entdeckt. Auffällig war jedoch, dass die Leiche mit einem Kissen auf dem Kopf und einer Decke darüber zugedeckt war. Das schilderte ein Polizist gestern als Zeuge vor Gericht. Die gerichtsmedizinische Untersuchung weckte dann verstärkt Zweifel, dass Rauschgift die Todesursache war. Vieles deutete auf ein Erdrosseln hin.Der Angeklagte war am 1. Oktober 2008 festgenommen worden, als er erneut versucht hatte, mit der EC-Karte des Opfers bei der Sparkasse Elbe-Elster Geld abzuheben."Wollte Ruhe haben"Im Laufe der Ermittlungen soll sich Stefan Sch. immer mehr in Widersprüche verwickelt und schließlich den Mord an seinem Bekannten gestanden haben. In der Erklärung gestern rückte er von dieser Aussage ab. Er habe Mirko S. nicht getötet, sich die Sache mit dem Dreiecktuch aus dem Verbandskasten nur ausgedacht, ließ er Rechtsanwalt Kalauch verlesen. Wegen des fehlenden Heroins habe er nicht klar denken können. Die Polizei habe ihn aufgefordert, die Tat zuzugeben. "Ich wollte dann einfach meine Ruhe haben", hieß es zur Begründung, warum er die angeblich falschen Angaben gemacht und das Geständnis dann unterschrieben habe. Später sei er nicht mehr in der Lage gewesen, seine erfundenen Aussagen zu korrigieren, hieß es in der Erklärung weiter.Der Prozess wird morgen mit weiteren Zeugenaussagen fortgesetzt. Rechtsanwalt Steffen Kalauch hat angekündigt, dass er nach dem Widerruf des Geständnisses die Zeit für weitere Gespräche mit seinem Mandanten nutzen werde. Eventuell gibt es am zweiten Verhandlungstag dann Hinweise darauf, wie der Angeklagte in den Besitz der EC-Karte gekommen sein will.Mutter als NebenklägerinSichtlich bewegt verfolgte Heike G., die Mutter des Opfers, die überraschende Wende in diesem Mordfall. Als der Angeklagte mitteilen ließ, "ich habe Mirko G. nicht getötet", kämpfte sie mit den Tränen. Heike G. tritt im Prozess als Nebenklägerin auf. Das Urteil ist nach weiteren Verhandlungstagen für den 18. Mai vorgesehen.