„Wir leben von der Hand in den Mund“ , klagt Steffen Eberle, Sprecher des Blutspendedienstes des Roten Kreuzes (DRK) in Sachsen. Startet der Dienst üblicherweise mit einem Blutkonserven-Vorrat von vier Tagen in die Sommerferien, ist das in diesem Jahr nicht mal im Ansatz möglich. Durch die moderne Notfall- und Intensivmedizin würden teilweise aber große Mengen an Blutprodukten benötigt.
Erst der Spendereinbruch bei der Fußball-WM, dann die große Hitze, die für Kreislaufbeschwerden sorgt. „Wir haben im Schnitt 15 Prozent weniger Blutspender als zu dieser Jahreszeit üblich“ , klagt Eberle: „Da mussten schon im Juli einige Operationen verschoben werden.“ Sollten die Spender auch weiterhin ausbleiben, sieht Eberle schwarz: „Bei einer Katastrophe stehen wir mit leeren Händen da.“ Dann könne in Krankenhäusern nur noch im Notfall operiert werden. Um das zu vermeiden, wurde der DRK-Team in Hoyerswerda erfindungsreich. Um den Spendern einen Anreiz zu bieten, auch in der Ferienzeit zu kommen, hat die dortige DRK-Werbereferentin Regina Bohn eine Gewinnaktion gestartet: Eine Ballonfahrt soll unter den Spendern verlost werden.
Auch die Krankenhäuser der Region haben Spenden-Appelle gestartet, wie etwa Dieter Jeske, leitender Chefarzt des Kreiskrankenhauses in Weißwasser. „Wir mussten zwar noch keine Operationen verschieben, aber schon jetzt sind einzelne Blutgruppen mehr als knapp.“ Auch im Elbe-Elster-Klinikum in Finsterwalde und im Klinikum Hoyerswerda gibt es immer weniger Blut.

Krankenhäuser vertröstet
Reinhard Heller, Sprecher des DRK-Blutspendedienstes Berlin-Brandenburg, muss derzeit viele Krankenhäuser vertrösten. 3500 Blutkonserven fehlten in der Region im Vergleich zum Jahresdurchschnitt. In Cottbus sind laut DRK Berlin-Brandenburg noch zehn Blutkonserven der Blutgruppe A positiv und zehn der Gruppe Null positiv vorhanden, im ganzen Gebiet Berlin-Brandenburg nur noch 478 Konserven: „Am Tag gehen aber 800 bis 1000 Konserven raus, wir fragen schon in anderen Bundesländern an“ , so DRK-Werbereferent Norbert Nowakowski. Besonders die Blutgruppe 0 mit Rhesusfaktor negativ ist begehrt: „Als Universalblut kann sie allen Menschen helfen“ , sagt Heller.
Um die Öffentlichkeit aufzurütteln und zum Spenden zu bewegen, startete das DRK gestern in Berlin eine Aktion mit der Polizei, um den Engpässen zu begegnen. Alle Berliner Polizisten waren zur Blutspende aufgerufen - mit geringem Erfolg. „Ein Tropfen auf den heißen Stein“ , kommentiert der DRK-Sprecher am Ende dann auch enttäuscht: Lediglich 31 Polizisten hatten ihre Blut gespendet. Ob die Aktion in Cottbus wie geplant wiederholt wird, müsse jetzt erst noch geklärt werden, sagt Heller. „Wir können niemanden zwingen“ , sagt Bärbel Sonnenberg vom Potsdamer Polizeipräsidium. Jeder Polizist spende freiwillig. Zudem liefen über das Jahr verteilt ähnliche Aktionen über den polizeiärztlichen Dienst in Potsdam oder auch Cottbus.

Hoffen auf Kühle
„In Sachsen haben wir diese Aktion wegen fehlender Spender eingestellt“ , bedauert Steffen Eberle vom DRK Sachsen. Gegen das fehlende Spenderblut sind auch die Gesundheitsministerien in Sachsen und Brandenburg machtlos. Sonderaktionen liefen regelmäßig, um die Öffentlichkeit zu mobilisieren, heißt es in Dresden und Potsdam.
Reinhard Heller vom DRK Berlin-Brandenburg hofft nun auf den Regen: „Wenn der die Hitze vertreibt, geht es auch den Spendern wieder besser.“

Zum Thema Blut kann Menschenleben retten
 Jeder Gesunde zwischen 18 und 68 Jahren kann spenden. Die Termine sind kostenlos unter der Telefonnummer 0800-1194911 abrufbar. Das Blut wird vor allem für die Behandlung von Krebspatienten, für Patienten mit Erkrankungen des Herzens und des Magen-Darm-Traktes sowie für Operationen nach Unfällen verwendet. In Brandenburg sind 13 mobile Blutspendeteams mit fünf Mitarbeitern im Einsatz, in Sachsen zwölf.