Zum 16. Mal hat der Bundestag am Donnerstag über den Afghanistan-Einsatz der Bundeswehr abgestimmt. Wie immer lag die Zustimmung der Parlamentarier über 70 Prozent. In der Bevölkerung ist das Stimmungsbild seit Jahren umgekehrt. In fast allen Umfragen lehnt eine teils deutliche Mehrheit die bereits elf Jahre dauernde Mission ab. Im kommenden Jahr wird der Bundestag den Kampfeinsatz der Bundeswehr ein letztes Mal verlängern - bis Ende 2014. Dann ist Schluss. Und ein neuer Einsatz beginnt, bei dem es aber vor allem um die Ausbildung der afghanischen Armee gehen wird. Viele Fragen sind sind noch zu klären:

Wie weit ist der Abzug der Bundeswehr aus Afghanistan fortgeschritten?
Die Bundeswehr war im Jahr 2011 mit bis zu 5350 Soldaten in Afghanistan. Seit etwa einem Jahr schrumpft die Truppe. Derzeit sind 4500 Soldaten am Hindukusch stationiert, Ende Februar 2014 sollen es nur noch 3300 sein. Den größten Teil des Abzugs hat die Bundeswehr noch vor sich. Bis zu 1700 Fahrzeuge und 6000 Container muss sie zurück nach Deutschland schaffen. Für die Organisation der Operation "Rückverlegung" sind 300 Experten abgestellt. Mit Feisabad hat die Bundeswehr bereits das erste ihrer drei großen Feldlager in Nordafghanistan aufgegeben. Kundus soll noch in diesem Jahr folgen. Dann bleibt nur noch das Hauptquartier in Masar-i-Scharif.

Wie weit ist die Übergabe der Sicherheitsverantwortung an afghanische Armee und Polizei vorangekommen?
Die Übergabe hat 2011 begonnen und schreitet schneller voran als ursprünglich erwartet. Vor einem Monat hat die Regierung in Kabul die vierte Phase des Übergabeprozesses angekündigt. Nach ihrem Abschluss sollen 90 Prozent der Bevölkerung in Gegenden leben, in denen afghanische Sicherheitskräfte die Verantwortung haben. Bereits in diesem Frühjahr sollen afghanische Sicherheitskräfte die Operationen überall im Land führen. die Internationale Schutztruppe Isaf soll sich dann auf eine Unterstützerrolle beschränken. Ende 2014 läuft die Isaf-Mission nach 13 Jahren aus.

Wie viele Bundeswehrsoldaten müssen nach Ende des Kampfeinsatzes 2014 im Land bleiben?
Dazu schweigt die Bundesregierung noch. Ab 2015 soll es eine Isaf-Nachfolgemission geben, die sich auf Beratung und Ausbildung der afghanischen Armee konzentriert. Allerdings werden auch Kräfte zur Unterstützung notwendig sein. Kämpfen soll die Bundeswehr nicht mehr. Dass sie weiter von Taliban angegriffen und in Kämpfe verwickelt wird, ist aber nicht ausgeschlossen. Der Wehrbeauftragte Hellmut Königshaus hat deswegen gefordert, dass die Afghanistan-Truppe mit schwerem Gerät ausgerüstet bleibt und beispielsweise die neuen Kampfhubschrauber "Tiger" behält. Er geht davon aus, dass mindestens 1000 Soldaten am Hindukusch bleiben müssen.

Welche Unterstützung - neben Beratung und Ausbildung - werden die afghanischen Sicherheitskräfte nach 2014 benötigen, um Krieg gegen die Taliban zu führen?

Im Gefecht werden die afghanischen Sicherheitskräfte weiterhin auf Luftunterstützung angewiesen sein, die bislang vor allem Amerikaner leisten. Eine afghanische Luftwaffe soll erst Ende 2017 voll einsatzfähig sein. Auch bei der Rettung Verwundeter, bei der Logistik und bei der Aufklärung dürften die Afghanen weiterhin Hilfe brauchen.

Wie groß ist die Gefahr, dass Afghanistan nach 2014 wieder in Chaos und Bürgerkrieg zurückfällt?
Experten rechnen nicht mit einem Rückfall ins Chaos unmittelbar nach 2014, mit Frieden aber auch nicht. Wahrscheinlich ist, dass der Konflikt andauert. Die afghanische Regierung hat gute Chancen, sich zu halten, solange Polizei und Armee nicht zusammenbrechen. Dafür ist sie aber auf die Internationale Gemeinschaft angewiesen, die die Sicherheitskräfte in den kommenden Jahren mit Milliardensummen finanziert. Sollte diese Unterstützung wegbrechen und sollten die Sicherheitskräfte kollabieren, droht wieder ein Bürgerkrieg.