Gemütlich mit schönem Ausblick. Der Beratungsraum von Susanne Kirsch weckt Vertrauen und ähnelt in keinster Weise einem Arztzimmer. Hier gehen Menschen ein und aus, die Gewissheit möchten. Gewissheit über ihre Gesundheit. Susanne Kirsch ist Diplom-Soziologin und leitet die Beratungsstelle für Aids und Geschlechtskrankheiten im Gesundheitsamt Hoyerswerda. Hier kann jeder anonym und kostenfrei einen HIV-Test machen lassen. Doch bevor der Test durchgeführt wird, findet ein Vorgespräch statt. Susanne Kirsch möchte klären, ob und wie sich die Person mit dem tödlichen Virus infiziert haben könnte. "Das ist sehr wichtig. Manchmal kann eine Infektion schon im Vorgespräch ausgeschlossen werden", sagt die 50-Jährige. "Denn das Virus kann nur über Blut, Sperma oder Scheidenflüssigkeit übertragen werden. Darüber kläre ich die besorgten Personen auf", so Kirsch weiter.

"Mir ist kein Befund gleichgültig"

Die Ursachen für die Tests sind von Beratungsstelle zu Beratungsstelle unterschiedlich. Wo in Großstädten Prostitution, Drogen und Homosexualität als Hauptursache angeführt werden, sind es in Hoyerswerda eher riskante Urlaubsbekanntschaften und Partnerwechsel, die Menschen zu einem Test im Gesundheitsamt veranlassen. Mit viel Gefühl und Verständnis berät Susanne Kirsch nicht nur, sondern überbringt auch das Ergebnis. Von routinierter Arbeit kann dabei nicht die Rede sein. "Wenn man in einem Beratungsberuf abstumpft, sollte man sich gleich einen anderen Job suchen. Mir ist kein Befund gleichgültig", sagt die Hoyerswerdaerin. Die Hauptpersonengruppe, die sich zu einem HIV-Test anmeldet, ist zwischen 20 und 40 Jahre alt. Etwas weniger Frauen als Männer finden den Weg zur Beratungsstelle.

Im Landkreis Bautzen ließen sich im vergangenen Jahr 101 Personen in Gesundheitsämtern testen. In drei Fällen fiel der Test positiv aus. Rund 320 000 Menschen leben im Landkreis. "100 Tests pro Jahr sind im Vergleich zur Einwohnerzahl nicht viel. Das zeigt, dass HIV generell kein allzu großes Thema für die Menschen hier ist", so Kirsch.

Therapie ja, Heilung nein

Doch die registrierten HIV-Erstdiagnosen haben in den vergangenen zehn Jahren in ganz Deutschland, so auch in Sachsen, zugenommen. Gründe dafür kann Susanne Kirsch nur schwer nennen. "Die Sorglosigkeit der Menschen könnte eine Ursache sein. Denn sie wissen, dass ihnen geholfen wird, falls etwas passiert." Dabei gibt es zwar mittlerweile gute Therapien gegen das Virus, aber eine Heilung ist nicht möglich. "Der Krankheitsverlauf ist immer unterschiedlich. Bei einigen bricht die Erkrankung nach wenigen Monaten aus, bei anderen erst nach Jahren", erklärt Kirsch. In Sachsen lebten laut dem Robert-Koch-Institut 2013 rund 2100 Menschen mit dem HI-Virus. Davon 1800 Männer und 270 Frauen. Zehn HIV-Infizierte aus dem Freistaat starben im vergangenen Jahr. Susanne Kirsch spricht dem Welt-Aids-Tag eine große Bedeutung zu, dennoch sollte nicht nur einmal jährlich an Aids gedacht werden. "Die Gefahr gibt es an 365 Tagen im Jahr. Jeder hat es selbst in der Hand, sich zu schützen. Die Freiheiten, die man heutzutage hat, sollten ausgelebt werden - aber verantwortungsvoll."