Prachtvolle Burgen, ausgeklügelte Bewässerungssysteme mit Dämmen und Durchlässen: Damit schaffen sich die unter Schutz stehenden Biber so manche Feinde - bei den Menschen. Die größten Konflikte in Deutschland im Zusammenleben von Mensch und Tier gibt es derzeit in der brandenburgischen Oder-Region.

Vom Land eingesetzte Biber-Manager sollen ab Herbst zwischen oft unversöhnlichen Freunden und Feinden vermitteln. "Das ist möglich", meint der Bayer Peter Martin, der bereits seit 13 Jahren in seiner Heimat im Landkreis München diesen Job macht. Der 67-Jährige verhandelt mit beiden Seiten.

Konflikte im Frühstadium lösen

Erfolgreich sind Biberbetreuer bereits auch in Sachsen. Hier fühlt sich der Elbe-Biber (Castor fiber albicus) inzwischen wieder in allen Teilen des Landes heimisch - mit Ausnahme des Vogtlandkreises.

Im Freistaat wird seit geraumer Zeit mit vorausschauendem Bibermanagement die Strategie verfolgt, den bestmöglichen Ausgleich zwischen Naturschutzverpflichtungen und Landnutzungsinteressen zu erreichen, erläutert Karin Bernhardt, Pressesprecherin des Sächsischen Landesamtes für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie auf Anfrage der RUNDSCHAU. Dabei gehe es immer darum, Konflikte möglichst in frühen Stadien zu entschärfen. Über eine Reduzierung des Schutzstatus für die Biber wie beim Nachbarn Brandenburg wird derzeit hierzulande nicht nachgedacht, sagt Bernhardt. Wer in Sachsen mit Bibern in Konflikt kommt, findet Hilfe von Ansprechpartnern mit Fachwissen in allen Landkreisen. Auch auf der Website des Landesumweltamtes sind sie verzeichnet, ergänzt die Pressesprecherin. Eine zentrale Kontaktstelle für das Bibermanagement sei nach einer Versuchsphase beim Naturpark Dübener Heide eingerichtet worden. Dieses Vermittlungsbüro nimmt Schadensmeldungen entgegen, leitet sie an zuständige Behörden weiter und berät Bürger und Kommunen im Umgang mit den Tieren. Auch Öffentlichkeitsarbeit für den Biberschutz steht auf der Tagesordnung.

Kritiker im brandenburgischen Oderbruch stehen den emsigen Burgenbauern dagegen relativ unversöhnlich gegenüber. Sie beklagen vor allem unter Wasser stehende Felder, die nicht mehr bearbeitet werden können. Zudem laufen Keller in Häusern voll, weil Biber Wasser anstauen. Regelmäßig bei Hochwasser werden den Nagetieren auch Schäden an Deichen zugeschrieben.

In den neuen Ländern leben insgesamt rund 10 000 Exemplare der Unterart Elbe-Biber. Vor knapp 100 Jahren waren sie fast ausgestorben: Fleisch und Fell waren sehr begehrt. Einem Drüsensekret wurden zudem potenzsteigernde Kräfte zugeschrieben. Inzwischen ist der Bestand aber stabil - auch weil der Biber unter Schutz steht.

"Biber sind einfach eine Landplage", sagt der Geschäftsführer des Brandenburger Bauernbundes, Reinhard Jung. Millionenschäden müssen nach seinen Angaben verkraftet werden. Mit ihren scharfen Zähnen könnten die Tiere dicke Bäume fällen, Straßen unterhöhlen, Abflüsse verstopfen oder Deiche durchlöchern. Brandenburg lässt gerade in Brüssel prüfen, ob der Schutzstatus reduziert werden kann. Nach einer Landes-Verordnung erhalten Gewässererhaltungsverbände 300 000 Euro für die Sicherung von Deichen. Auch dürfen Tiere in Einzelfällen gefangen oder gejagt werden.

Aus Sicht des Landesjagdverbandes kann die Population gut über das Jagdrecht reguliert werden. "Ortsansässige Jäger kennen die Gegebenheit am besten", betont Geschäftsführer Georg Baumann. Der Landkreis Märkisch-Oderland will Gebiete ausweisen, in denen die Biber nichts zu suchen haben. Sie sollen umgesiedelt oder - wenn nicht möglich - getötet werden; unter Beachtung der Naturschutz-Regelungen.

Jenseits der Grenze auf polnischer Seite aber sind die ebenfalls unter Schutz stehenden Dammbauer nicht zum Abschuss freigegeben. Sehr zum Unwillen der Landwirte hat sich ihre Zahl von 100 Exemplaren in den 1950er- Jahren auf 90 000 erhöht.

Naturschützer wehren sich dagegen, Biber als Sündenböcke abzustempeln. Sie seien nützlich für den Natur- und Artenschutz. "Es muss mehr aufgeklärt und beraten werden", betont die Geschäftsführerin des Brandenburger Naturschutzbundes, Christiane Schröder. Für manche Schäden seien auch nicht unbedingt die Biber verantwortlich.

Hilfe mit Besen und Tonne

Können Biber-Manager nun in Brandenburg helfen? Aus seinen Erfahrungen ist der Bayer Peter Martin davon fest überzeugt. In seinem Revier leben 50 Biber-Familien. "Nur ganz wenige machen Ärger", sagt er. "Dann muss der Konflikt gelöst werden."

Zuletzt musste 2013 in seiner Region eine vierköpfige Biberfamilie getötet werden. Ihr Damm hatte eine Tankstelle bedroht. Bei einem anderen Artgenossen reichte der Kehrbesen. "Damit schob ich ihn in eine Mülltonne. Mit dem Auto ging es dann zu dem neuen Wohnort", sagt er.

www.naturpark-duebener-heide.com/