Was zu seltsamen Beobachtungen führte: Da erschien der Linken-Vorsitzende Rico Gebhardt in der vergangenen Woche im Landtag in gelber Hose und schwarzem Sakko. Mehr Fremdwerbung geht nicht. Auf seinen schwarz-gelben Auftritt angesprochen, erklärte Gebhardt, das habe nichts zu bedeuten, er habe nur heute sein Jackett vergessen. Wegen der vielen Wahlkampf-Termine. Ja klar!

FDP-Wirtschaftsminister Sven Morlok wählte zum Interview mit dem MDR die Farben des Hassgegners: ein grünes Hemd. In Koalition mit blauer Krawatte. Auch das soll selbstverständlich nichts zu bedeuten gehabt haben. Rote Outfits gab es, außerhalb der harten Oppositionsbank, eigentlich kaum. Klar aber auch: Einfach nur schwarz hat keiner gewählt. Das, obwohl es sich eingebürgert hat, dass im Landtag auch in der Rede der schwarze Anzug getragen wird.

Man redet im Plenum nicht, wie einem gerade ist. Der verbale schwarze Anzug, der artige Wortwahl und den Verzicht auf Schimpf oder Beleidigung vorschreibt, ist indes in der heißen Phase des Wahlkampfs für einen hartgesottenen Roten ein Graus.

Deshalb wählte SPD-Generalsekretär Dirk Panter im letzten Plenum des Sächsischen Landtags vor der Bundestagswahl den größtmöglichen Gegensatz. In der Debatte, die CDU und FDP als Warnung vor dem "grünen Umerziehungsstaat" angesetzt hatten, äußerte sich der 39-Jährige in Richtung Regierungskoalition ziemlich fäkal. In knapp vier Minuten Redezeit brachte er zweimal "Schnauze" ("voll"), einmal Hose ("voll") und tatsächlich zweimal "Arsch" ("auf Grundeis") unter. So viel war selten im Hohen Hause. Wir lernen: Für böse Wörter gibt es auch bei bürgerlicher Mehrheit keinen Ordnungsruf mehr.