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| 02:40 Uhr

"Man musste das nehmen, was man hatte"

Kati Störch, Mitarbeiterin des Museums, präsentiert bunte Püppchen und eine Dose aus Schaumstoff-Schwämmen.
Kati Störch, Mitarbeiterin des Museums, präsentiert bunte Püppchen und eine Dose aus Schaumstoff-Schwämmen. FOTO: Anna Ringle
Forst. Improvisation gegen Mangelwirtschaft: Das Brandenburgische Textilmuseum in Forst sammelt die Werke kreativer DDR-Heimwerker. Eine Schau ist geplant. Anna Ringle

Die Zugschnur einer Toilettenspülung ist jetzt der Henkel einer Handtasche und aus einem alten Benzinkanister wurde eine Aufbewahrungskiste: Im Brandenburgischen Textilmuseum in Forst (Spree-Neiße) trudeln zurzeit viele solcher Objekte ein. DDR-Bürger stellten sie einst her. Nachdem das Museum im November 2016 einen Aufruf startete, weil es für diesen Sommer eine Ausstellung zu Selbstgemachtem aus DDR-Zeiten plant, sind viele Lausitzer bei sich zuhause fündig geworden. Dutzende Objekte sind schon zusammengekommen.

Mit der Schau soll einerseits die Kreativität von Heimwerkern gezeigt werden und andererseits auch das Phänomen der Mangelwirtschaft in der DDR. Die führte häufig dazu, dass Materialien umfunktioniert wurden, wie Museumsleiterin Michaela Zuber sagt. Es galt zu improvisieren: "Man musste das nehmen, was man hatte."

Zugleich will das Museum, das in einer ehemaligen Tuchfabrik eingerichtet ist, mit den Objekten ein Stück Zeitgeschichte aus der Region bewahren. Vieles wurde nach der Wende weggeschmissen, wie der Vorsitzende des Museumsvereins, Kristian Schmidt, betont. Handwerklich Begabte hätten zu DDR-Zeiten allerlei Materialien gesammelt, um sie dann irgendwann später wieder einzusetzen.

Manches sei auch in Betrieben "abgezweigt" worden, wie das Museum berichtet. Demnach kursierte in der Kleinstadt Forst unter Einwohnern zum Beispiel der Begriff "Mausi-Wolle".

Was ist für die Schau schon zusammengekommen? Rasenmäher, die vermutlich aus Waschmaschinenmotoren gebaut wurden. Dann Kleidungsstücke, Taschen aus Bast, Schmuck aus Kupferdraht und eine Aktentasche, die aus ausrangierten Maschinen-Lederwalzen hergestellt wurde. Aus Schaumstoff-Schwämmen wurden auch Deko-Objekte gebastelt - kleine Püppchen zum Beispiel. Dem Museum schwebt vor, bis zur Ausstellung auch einen Kleintraktor zu organisieren, der zu DDR-Zeiten selbstgebaut wurde.

Die Objekte stammen vor allem von Forstern, darüber hinaus kamen sie aus Cottbus, Guben (Spree-Neiße), Lübben (Dahme-Spreewald), Falkenberg (Elbe-Elster), aber auch aus dem sächsischen Bad Muskau. Das Museum geht davon aus, dass in der Schau im Sommer Hunderte Ausstellungsstücke präsentiert werden.

Solche Ausstellungskonzepte sind nicht neu. Im vergangenen Jahr gab es zum Beispiel eine Schau im Stadtmuseum Jena in Thüringen ("Man muss sich nur zu helfen wissen. Selbstgemacht in der DDR"). Das Forster Museum will nun herausfinden, ob es für die Lausitz-Region Typisches gab, das zu DDR-Zeiten besonders häufig selbst hergestellt wurde.

Zum Thema:
Das Museum ist in einer ehemaligen Tuchfabrik eingerichtet. Das Technikmuseum eröffnete 1995, Träger ist der Museumsverein im Auftrag der Stadt. Das Haus gibt einen Überblick über die Geschichte des Tuchmacherhandwerks in der Region. Zentrales Element ist eine Schauwerkstatt mit originalgetreuen Maschinen. Der Besucher kann beobachten, wie Stoff entsteht. Darüber hinaus gibt es Sonderausstellungen im oberen Bereich, sie sind aber nicht ausschließlich an Textilgeschichte gebunden. Jährlich kommen rund 7000 Besucher in das Museum. Öffnungszeiten: Di bis Do 10 bis 17 Uhr, Fr bis So und Feiertage 14 bis 17 Uhr Eintrittspreise: Erwachsene drei, Kinder 1,50 Euro