Ein Dreivierteljahr kommt Antje Hermenau nun schon ohne die Grünen aus. "Es geht mir super", sagt die 51-Jährige. "Ich arbeite mit Leuten, die was voranbringen wollen, die Dinge entwickeln. Mir geht es gut." Nach 25 Jahren als Politikerin ist sie jetzt als Politikberaterin tätig. In Dresden hat sie ein kleines Büro.

Ende Januar trat die langjährige Frontfrau der Grünen aus der Partei aus. Der Schritt war zu erwarten gewesen, überraschte dann aber doch. Vorangegangen war ein jahrelanges Hickhack um die Marschrichtung der sächsischen Grünen. Die sehen sich selbst eher links. Hermenau dagegen warb offensiv für ein Bündnis mit der CDU. Von denen, meinte sie, könne ihre Partei Bodenständigkeit lernen.

Streit um Pegida

Die Grünen rangen heftig mit sich, schickten dann aber doch 2014 ihre umstrittene Powerfrau ein weiteres Mal als Spitzenkandidatin in den Landtagswahlkampf. Nach der Landtagswahl 2014 hätte durchaus ein schwarz-grünes Bündnis für Sachsen zustande kommen können. Doch die Grünen verließen die Sondierungsgespräche mit der CDU nach wenigen Verhandlungsrunden. Stattdessen kam die SPD als Koalitionspartner zum Zuge. Ein empfindlicher Verlust für Antje Hermenau. Kurz darauf gab sie ihr Landtagsmandat ab. Ihren Parteiaustritt vier Monate später begründete sie so: "Mein Versuch, mich an die Grünen anzupassen, ist gescheitert."

Beim letzten Zerwürfnis mit den Sachsen-Grünen ging es um Pegida. In einer MDR-Diskussionsrunde sprach Hermenau von einem Vertrauensverlust der Menschen in Staat, Kirchen und den Wert des Geldes, der die Menschen auf die Straße treibe. Das kam nicht gut in der Partei. Hermenau sieht sich als konservative Politikerin, jetzt ist sie politisch heimatlos.

Kritik an Grünen-Personal

Seit ihrem Rückzug hat sie sich öfter zu Wort gemeldet. Auffällig oft in der Tonart der Regierungspartei. Dem CDU-Innenpolitiker Markus Ulbig stärkte sie im Kampf um das Dresdner Rathaus den Rücken.

Nach der Wahl kritisierte sie öffentlich die Personalauswahl der Grünen. Ein CDU-Landtagsabgeordneter überreichte ihr feierlich einen Mitgliedsantrag. Bei der Feierstunde zum 25-jährigen Bestehen des sächsischen Landtags an diesem Dienstag saß Hermenau mit im Podium. Dort empfahl sie mehr direkte Demokratie.

Mit den Grünen habe sie momentan nicht viel zu tun. "Man grüßt sich, wenn man sich sieht", sagt Hermenau dazu. Aber sie kenne und grüße halt viele Politiker. Dass sie auch an einem Buch arbeitet, ließ sie immer mal wieder durchblicken. Kein großer Nachtritt für die Ex-Partei sollte es werden, eher ein Resümee über 25 Jahre deutsch-deutsche Politik. Nächste Woche soll das Werk erscheinen. Terminlich passend zum Parteitag der Grünen, der Ende nächster Woche in Großenhain steigt.