Laut Staatsanwaltschaft Cottbus war am 13. April 2007 ein „schwarzer Block“ der gewaltbereiten Fangruppierung „Inferno“ aus Cottbus in „militärischer Formation“ in das dortige VfB-Stadion gestürmt und hatte dort eine Gewaltorgie gefeiert.

18 der damals ermittelten mutmaßlichen Täter sitzen jetzt auf der Anklagebank im improvisierten Gerichtssaal im Messezentrum. Im angestammten Haus auf dem Gerichtsberg in Cottbus gab es für diesen Mammutprozess keinen Raum, der groß genug gewesen wäre für alle Prozessbeteiligten. Und das sind neben den 18 Angeklagten deren Verteidiger, vier Richter und Schöffen, eine Gerichtsprotokollantin, zwei Staatsanwälte sowie eine Vertreterin der Jugendgerichtshilfe.

Es sind keine „dummen Jungs“, die da vor den Richtern sitzen. 15 von ihnen waren zur Tatzeit erwachsen im Sinne des Strafgesetzbuches, also älter als 21 Jahre. Nur für drei der Beschuldigten könnte noch das mildere Jugendstrafrecht gelten. Die Staatsanwaltschaft Cottbus wirft den Angeklagten Landfriedensbruch vor. Einige müssen sich außerdem wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, schweren Hausfriedensbruchs, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und das Zeigen des Hitlergrußes verantworten.



Nach Erkenntnissen der Ermittler hatte sich eine Gruppe von etwa 40 vermummten Männern am Spieltag von Cottbus aus auf den Weg nach Auerbach gemacht, um den achten Jahrestag der Gründung der „Inferno“-Gruppierung zu feiern. Den Bus hatten sie unter dem Vorwand gechartert, eine Vorlesung in Auerbach besuchen zu wollen. Kurz nach Anpfiff des Oberliga-Spiels hätten sie, ohne im Besitz von Tickets zu sein, das VfB-Stadion in Auerbach gestürmt. Laut Staatsanwalt Olaf Jurtz stießen sie einen Ordner, der sich ihnen in den Weg stellte, am Kassenhaus beiseite und verletzten ihn durch Faustschläge. Auf dem Weg zum Gästefanblock rissen sie laut Anklage ein Transparent ab und zündeten es an. Aus der Gruppe heraus wurden Feuerwerkskörper gezündet und auf die Zuschauer sowie das Spielfeld geschossen. In der Halbzeitpause sollen Angeklagte Werbebanden zertrümmert und versucht haben, sich mit einer Platzwalze Zugang zum Spielertrakt zu verschaffen.

Bereits vor den Gewalttaten in Auerbach war der Gruppierung vom FC Energie verboten worden, sich im Cottbuser Stadion als „Inferno“ zu präsentieren. Zudem hatten zwölf der Angeklagten bundesweite Stadionverbote. Wohl deshalb waren die mutmaßlichen Anhänger der gewaltbereiten Fußball-Hooligan-Szene nach Auerbach ausgewichen.



Mehrere der heutigen Angeklagten waren vor den Ausschreitungen im Vogtland bereits bei Vorfällen während eines Bundesliga-Spiels des FC Energie im sächsischen Aue (Erzgebirgskreis) in Ermittlungsakten der Polizei aufgetaucht. Im April 2005 war der damalige FCE-Trainer Petrik Sander durch eine Leuchtrakete verletzt worden. Sebastian K., der in Cottbus mit auf der Anklagebank sitzt, ist dafür rechtskräftig verurteilt worden.

Eines der wichtigsten Beweismittel im Mammutprozess in Cottbus sind Filmaufnahmen, die zwei Fernsehteams von dem Spiel in Auerbach gedreht hatten. Gestern erklärten überraschend elf Verteidiger, dass sie auch zwei Jahre nach dem Eingang der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Cottbus beim Landgericht nicht im Besitz des Bildmaterials sind. Daraufhin wurde der Prozess 90 Minuten nach dem Auftakt unterbrochen. Er soll am 25. Februar fortgesetzt werden. Dann sollen unter anderem die Fernsehaufnahmen gezeigt werden. Ob sich die Angeklagten zu den Vorfällen äußern, ist ungewiss. Einige haben bereits zu Prozessbeginn die Aussage verweigert. Bis zum nächsten Verhandlungstag muss auch über einen Einspruch mehrerer Verteidiger entschieden werden. Sie hatten am Donnerstag gerügt, dass die beiden Berufsrichter der Strafkammer für ihre Mandanten gesetzlich nicht zuständig seien. Zunächst sind neun Verhandlungstage bis Mitte April 2010 vorgesehen. 33 Zeugen sollen gehört werden.