Maltaslanger Weg in die EU ist bald zu Ende. Die ehemalige britischeKolonie, die sich schon 1990 um die Mitgliedschaft beworbenhatte, kann im Mai 2004 der Union beitreten. Dieser Schritt warjedoch alles andere als unumstritten, was im Ergebnis derVolksabstimmung vom Samstag klar zum Ausdruck kommt.
Nur die knappe Mehrheit der Malteser stimmten für den Beitritt.Der Rest war dagegen oder gab ein ungültiges Votum ab, um aufdiese Weise dem Aufruf der oppositionellen Sozialisten zu folgen.Diese hatten nach ihrem Wahlsieg 1996 sogar den Beitrittsantrageingefroren, ehe dieser zwei Jahre später von der neuennationalistischen Regierung wieder aktiviert wurde.
Der Sieg der EU-Befürworter kam letztlich auch dank der vielenZugeständnisse zu Stande, die Brüssel bei denBeitrittsverhandlungen der kleinen Mittelmeerinsel südlich vonSizilien eingeräumt hatte. So wurden in fast allen strittigenFragen lange Übergangsbestimmungen vereinbart.
EU-Bürger werden sich etwa erst sieben Jahre nach dem Beitrittfrei auf Malta niederlassen können. Zudem kann Malta alsEU-Mitglied auch Gesetze beibehalten, welche die EU gernabgeschafft hätte - wie das Abtreibungsverbot, auf das dieüberwiegend von Katholiken bewohnte Insel nicht verzichtenwollte. Gewissermaßen als Krönung bekam der rund 400 000Einwohner zählende Staat 194 Millionen Euro als Direktzuschussaus den EU-Geldtöpfen bis 2006 zugesagt.
Dass trotzdem nur eine recht knappe Mehrheit für den Beitrittstimmte, war vor allem auf die Ängste vor dem Verlust derSelbstbestimmung in der EU zurückzuführen. Die Sozialisten unterEx-Ministerpräsident Alfred Sant führten mit diesen Ängsten dennauch ihre Wahlkampf. Sie warnten etwa vor einer Aushöhlung derNeutralität des Landes und vor einem unkontrollierbaren Zustromausländischer Arbeitnehmer auf das großteils vom Tourismuslebende Malta.
Damit verbunden wären dann steigende Lebensmittel- undImmobilienpreise, warnte Sant. Er rief deshalb die Wähler auf,sich bei der Abstimmung zumindest der Stimme zu enthalten oderungültig zu stimmen. Die Sozialisten traten für eine engePartnerschaft mit der EU statt einer Mitgliedschaft ein.
Der 69-jährige Ministerpräsident Eddie Fenech Adami hat mit demErgebnis des Referendums hingegen das Ziel seiner politischenLaufbahn erreicht. Schon seit 1979 waren er und dieNationalistische Partei für die EU-Mitgliedschaft eingetreten.Jetzt ist der Weg dafür frei, dass Malta 40 Jahre nach derUnabhängigkeit von Großbritannien im Jahre 1964 der EuropäischenUnion beitritt.