V iele Akteure sind derzeit bei der Suche nach einer Lösung für die Krise in Mali am Werke. Und fast jeder hat andere Ziele und Ängste: Die Nachbarländer des westafrikanischen Staates fürchten, dass die Islamisten im Falle eines Militäreinsatzes in Nord-Mali in andere Staaten ausweichen könnten und warnen vor einem Flächenbrand. Die Regierung in der Hauptstadt Bamako will eine Abspaltung des Nordens verhindern und die territoriale Integrität wahren. Die Europäische Union, die ehemalige Kolonialmacht Frankreich und die USA haben Angst vor einer neuen Extremisten-Hochburg in Afrika - wollen aber auf keinen Fall eigene Soldaten in den Kampf schicken.

Aber zu viele Köche verderben den Brei, wie ein hochrangiges Expertentreffen in Bamako am Freitagabend gezeigt hat. Immerhin hegen die Vereinten Nationen, Europa und Afrika den Wunsch, das malische Islamistenproblem gemeinsam anzugehen. Es sei eine "kollektive Pflicht" aller, Mali auf dem Weg zurück zu Stabilität, Würde und Frieden beizustehen, betonte UN-Vizegeneralsekretär Jan Eliasson. Um die nationale Einheit und die verfassungsmäßige Ordnung wiederherzustellen, müsse eine Strategie auf "nationaler, regionaler, kontinentaler und internationaler Ebene" entwickelt werden. Solche Sätze zeigen den Ernst der Lage. Ein neues Afghanistan in der Sahel - Mali als Synonym für jahrelangen islamischen Terror - wollen alle vermeiden. Aber ob Gewalt oder Dialog der bessere Weg ist, und wie eine Militäroperation aussehen könnte, darüber herrscht Uneinigkeit - selbst bei der Bevölkerung im Süden Malis. Mehrere Hundert Menschen demonstrierten zuletzt in Bamako gegen die militärische Intervention einer Regionaltruppe der westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft Ecowas auf malischem Territorium - die eigenen Mannen sollen es richten. "Lang lebe die malische Armee!" und "Nein zur Konfiszierung unserer nationalen Souveränität", war auf Spruchbändern zu lesen.

Ein anderes Problem ist, dass das Land nach dem Militärputsch Ende März noch immer keine demokratisch gewählte neue Regierung hat. Übergangspräsident Dioncounda Traoré und sein Interimskabinett wollen Wahlen vor einer möglichen Militärintervention aber um jeden Preis vermeiden. "Mali kann es sich nicht leisten, Wahlen abzuhalten, während ein Teil des Landes besetzt ist", sagte Außenminister Tieman Hubert Coulibaly am Freitagabend.

Zwei Drittel des riesigen Wüstenstaates werden seit Monaten von Islamisten kontrolliert. Manche sind moderater, viele sind militant. Schreckliche Nachrichten dringen aus der Region, in der nun eine strenge islamische Rechtsprechung gilt. Von Hinrichtungen, Amputationen und Steinigungen ist die Rede. Auch zerstörten Kämpfer der Al-Qaida-nahen Ansar Dine bereits mehrere jahrhundertealte Heiligengräber, die zum Weltkulturerbe gehörten. Die Vergleiche mit Afghanistan sind also keineswegs abwegig - dort hatten Taliban bereits 2001 mehrere Buddha-Statuen in die Luft gesprengt. Eines ist sicher: So wie Mali einmal war, wird es vermutlich nie wieder werden. Selbst wenn es gelingen sollte, den Norden zurückzuerobern, hat sich bereits zu vieles verändert .