Auf dem Spielplatz Am Fließ im Cottbuser Stadtteil Schmellwitzsitzen Mädchen und Jungen aus der nahe gelegenen drittenGesamtschule. Sie lehnen sich aneinander, weinen, schütteln immerwieder die Köpfe. Sie halten stumme Mahnwache für die 17-jährigeKathrin H.. Sie können, wollen nicht begreifen, dass ihreMitschülerin am frühen Morgen des 1. Mai hier ihr Leben lassenmusste, ermordet von einem gleichaltrigen Jungen.
Blumen liegen auf demBeet mit den niedrigen Büschen, wo Kathrin von einerSpaziergängerin gefunden worden war. Kerzen brennen. Eingerahmtes Bild zeigt Kathrin im schmucken Hosenanzug. Es ist einErinnerungsfoto von ihrer Jugendweihe vor zwei Jahren. Gedichtedrücken die Trauer der Mädchen und Jungen aus und ihreFassungslosigkeit. „Ich wünschte, dass deine Augen nicht wieSterne gefunkelt hätten, weil tausend Sterne mich jede Nacht andich erinnern“ , steht auf einem der Zettel.
Auch Patrick L. der mutmaßliche Mörder, ist an diesem Montag nocheinmal am Tatort. Nicht freiwillig, sondern von der Kripovorgeführt in Handschellen. Gegen ihn hat das CottbuserAmtsgericht Haftbefehl wegen Mordes erlassen.
Das Geschehen in der so tragischen ersten Mainacht wirdrekonstruiert. Polizei und Staatsanwaltschaft halten sich mitAussagen dazu bedeckt. Fest steht - das hat der 17-jährige jungeMann zugegeben -, dass er Kathrin mehrfach geschlagen und mit denHänden erwürgt hat. Das Mädchen muss sich heftig gegen seinenPeiniger gewehrt haben. Der hat sich zum Motiv noch nichtgeäußert. Der entblößte Oberkörper seines Opfers lässt allerdingsauf sexuelles Begehren des jungen Mannes schließen.

Verhängnisvolles Hexenfeuer
Begonnen hatte die ganze Tragödie offensichtlich Stunden zuvor inder Walpurgisnacht bei einem Hexenfeuer nur ein paar hundertMeter von der elterlichen Wohnung des Mädchens und dem späterenTatort entfernt. Patrick L., der in der Stadtmitte wohnte unddort eine Realschule besuchte, war ebenfalls gekommen. Gegen 23Uhr müsse es gewesen sein, erinnert sich ein ehemaligerSchulkamerad. Er habe ein paar Bier getrunken, „höchstens sechsStück“ , sagt der Junge. „Betrunken war Patrick nicht“ , ist ersich sicher.
Hier, am wärmenden Feuer, mag der heranwachsende junge Mann auchein Auge auf das Mädchen geworfen haben, das er - wenn überhaupt- höchstens flüchtig kannte. Das Mädchen aber hatte einen festenFreund. „Es war ihre erste große Liebe“ , erinnert sich eineMitschülerin.
Gegen drei Uhr morgens war Kathrin nach Aussagen von Teilnehmernder Walpurgisnachtfeier mit einer Freundin, einem anderen Jungenund ihrem späteren Mörder aufgebrochen. Als das Wohngebieterreicht war, trennte sich die Gruppe. Kathrin zog es jedoch nochnicht nach Hause, sondern zu ihrem Freund, der auf demUni-Gelände in den Mai feierte. Am Geldautomaten der Sparkasse,die an den Spielplatz grenzt, wollte sich Kathrin noch Geldholen.
Patrick L. hatte wahrscheinlich von dieser Absicht erfahren unddem Mädchen dort aufgelauert. Hat Kathrin Annäherungsversuche desMannes zurückgewiesen, ihm eindeutig klar gemacht, dass er gegenihren Freund keine Chance besitzt„ Hat dies Patrick L. rasendgemacht, dass er seinem Opfer mehrfach mit der Faust ins Gesichtschlug, es mit bloßen Händen erwürgte“ Anwohner hatten Schreiegehört. Sie reagierten nicht, weil hier ein Imbiss nachts langegeöffnet hat und es oft laute Auseinandersetzungen gibt.
Das Kopfschütteln der Mädchen und Jungen, die am Tatort umKathrin trauern, gilt auch dem mutmaßlichen Mörder. „Der warimmer freundlich, total lustig, nie aggressiv, Mädchen gegenüberschon gar nicht und auch nicht, wenn er mal von uns auf den Armgenommen wurde“ , erinnert sich ein ehemaliger Freund, für denPatrick jetzt nur noch ein „Assi“ ist. Unbegreiflich ist für ihnund andere nicht nur, dass Patrick wahrscheinlich zum Mörderwurde, sondern auch, wie ungerührt er nach der Tat wirkte. „AmFreitag, also einen Tag nach dem Mord, waren wir noch aufKlassenfahrt im Spreewald. Da war Patrick wie immer, totallustig“ , erzählt der Junge.

Heimtückisch aufgelauert
Jetzt ist der kräftige 17-Jährige nur noch ein Häufchen Elend,berichten Ermittler. Er schäme sich offensichtlich, das wahreMotiv der Tat zuzugeben, auf die zuvor nichts hingewiesen habe.Patrick L. ist bis zu diesem Maimorgen bei der Polizei nieaufgefallen, etwa durch Schlägereien, in der sich der Hobbyringerund Kraftsportler beweisen wollte. Auch bei dem Hexenfeuer aufdem Stadt bekannten Abenteuerspielplatz in Cottbus-Saspow, nurein Steinwurf von Schmellwitz entfernt, gab es nachAugenzeugenberichten keine Zwischenfälle.
Es ist diese Unerklärlichkeit, die die Mädchen und Jungen hier amSpielplatz in Fassungslosigkeit, in Trauer um Kathrin und Wut aufden Mörder verharren lässt.