Gerade in diesen Tagen schicken sie sich an, mit der Föderalismusreform den Bund aus der Verantwortung für Bildung ganz herauszudrängen und ihre Alleinkompetenz für die Schule extra im Grundgesetz festzuschreiben. Gemeinsame Initiativen, wie der vom Bund finanzierte Aufbau von Ganztagsschulen oder etwa die Programme zur Verbesserung des Mathematikunterrichts, wären dann in Zukunft nicht mehr möglich.
Die mangelnde Förderung von Arbeiter- und Ausländerkindern bei gleichzeitigen deutlichen Bildungsvorteilen für Oberschichtkinder gelten bereits über drei Jahrzehnte als das Übel der deutschen Schulpolitik. Nach dem Pisa-Schock bei der Veröffentlichung des ersten Tests im Dezem ber 2001 hatten sich alle Länder auf mehr frühe Bildung im Kindergarten und gezielte Förderung für Kinder aus bildungsfernen Elternhäusern verständigt. Doch bis dies wirklich greift und auch die neuen Ganztagsschulen ihre Wirkung entfalten, wird noch eine Weile ins Land gehen.
Nicht wenige Bildungsforscher sehen in der in Deutschland üblichen frühen Aufteilung von Zehnjährigen auf verschiedene Schulformen einen wesentlichen Grund für die Chancenungleichheit. Doch an der gegliederten Schulstruktur wollen weder die Kultusminister der Union noch die der SPD rütteln. Die Gesamtschulen, so wie sie in Deutschland aufgestellt sind, haben bei den Pisa-Untersuchungen nicht überzeugen können. In Sachen Leistung sind die meisten durchgefallen. Und für neue Visionen - etwa eine Schule für alle bis zur zehnten Schulklasse, wie in den erfolgreichen skandinavischen Pisa-Ländern - lassen die meisten Politiker den Mut missen.
Doch es gibt auch viele positive Ansätze im Kleinen. Der Pisa-Forscher Jürgen Baumert sieht beispielsweise in dem Sinus-Projekt zur Verbesserung des Mathe-Unterrichts den besten Beleg für eine erfolgreiche Bund-Länder-Zusammenarbeit bei der Bildung. Nicht nur die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft oder der Bundeselternrat, sondern auch zahlreiche Forscher wünschen sich mehr solcher Projekte, etwa zur Steigerung der Sprachkompetenz bei Einwandererkindern oder gezielte Hilfen für Schüler aus ärmeren Familien auf dem Weg zum Abitur.
Die Länder pochen auf ihre Alleinzuständigkeit und wollen weder den Bund noch die anderen Bundesländer in Schulen hineinregieren lassen. Pisa zeigt auch die Folgen dieser Politik für Eltern und Schüler: Die Chancen eines Jugendlichen für seine Bildungskarriere sind abhängig vom Bundesland, in dem er wohnt. Ein bundesweites Schulrahmengesetz, das Familien beim Umzug Mobilität über Ländergrenzen hinweg garantiert, gleiche Unterrichtsstandards sichert oder auch dem Bund auferlegt, für vergleichbare Lebensverhältnisse in der Bildung zu sorgen, ist mit der geplanten Föderalismusreform begraben. Umfragen, wonach der große Teil der Bürger mehr Bundeseinheitlichkeit wünscht, bleiben unbeachtet.