Wegen 300 Millionen Euro Schaden wurden mehr als zwei Dutzend Führungskräfte der Agrobanka verhaftet. Der reichste Serbe Miroslav Miskovic sitzt wie sein Sohn Marko seit Dezember im Untersuchungsgefängnis. Der zweitreichste Serbe wurde gerade von der Polizei verhört. Gegen den früheren Umweltminister laufen umfangreiche Ermittlungen.

Alle diese Fälle sind erste Ergebnisse im Kampf gegen die seit Jahrzehnten grassierende Korruption und die Verbindungen der Politik mit der Organisierten Kriminalität. Motor der Abrechnung ist der stellvertretende Regierungschef Aleksandar Vucic. Der 42-Jährige ist als Verteidigungsminister, Geheimdienstkoordinator und Vorsitzender der größten Regierungspartei SNS das Maß aller politischen Dinge. Er hat sich den "bedingungslosen Kampf gegen die Korruption" auf die Fahnen geschrieben, bei dem es "keine geschützten Personen" gebe.

Vucic und eine Hundertschaft Polizeiexperten untersuchen seit Monaten im Kern 24 besonders spektakuläre Korruptionsfälle. Es geht um die Privatisierung von zum Teil blühenden Staatsunternehmen, die heute pleite sind. Allein bei den gezinkten öffentlichen Ausschreibungen sollen im Jahr eine Milliarde Euro in privaten Taschen verschwinden.

Vucic ist in den vergangenen Jahren mit seiner Partei stets in der Opposition gewesen und daher kaum in Korruption verstrickt. Als wichtige Regierungspartner sitzen aber die Sozialistische Partei (SPS) und ihr Vorsitzender, Regierungschef Dacic, seit Langem an den öffentlichen Fleischtöpfen. Auffallend ist, dass die Sozialisten stets die Bereiche geführt hatten, in denen besonders viel Geld bewegt wird: Infrastruktur und Straßenbau, Gas, Strom und Bergbau.

Konkret geht es um die groß angelegte und jahrelange systematische Korruption bei der staatlichen Arzneimittelfirma Galenika, wo die Sozialisten schalten und walten. Daneben ist die Vertragsverlängerung für den Polizeidirektor strittig. Vucic sieht in dem Mann den Garanten für das weitere Trockenlegen des Korruptionssumpfes. Dacic, der gleichzeitig Innenminister ist, will den ersten Polizisten im Land los werden.

Der Antikorruptionskampf von Vucic hat ihm und seiner Partei traumhafte Zustimmung in der Bevölkerung beschert. Aus diesem Vertrauen könnten beide bei Neuwahlen Kapital schlagen . Heute will sich die SNS erklären - und womöglich das Ende der Regierung einläuten.