Zwar gehört keine Schnee-Eule Hedwig, wie bei Harry Potter, zur Familie. Aber tierisch geht es im Hause Niemi schon zu. Denn die schneeweißen Kakadus Sindy und Stanley sowie acht zarte Java-Tauben leben mit unter einem Dach im Leipziger Waldstraßenviertel. Mit den Tieren bestreitet Jay Niemi seine Bühnenshow. Deshalb hegt und pflegt er die gelehrigen Vögel, die ihm in all den Jahren seiner Karriere ans Herz gewachsen sind und bisher immer im Mittelpunkt standen. Nun aber müssen sie sich die Aufmerksamkeit mit einem kleinen Menschenkind teilen. "Glücklicherweise ist Alexandra ein stilles braves Baby", erzählt die junge Mutter freudestrahlend.
Viele Jahre lang wünschte sie sich ein Kind von ihrem Zauberer. Im magischen siebenten Jahr des Zusammenlebens klappte es endlich. Haben Zauberkräfte nachgeholfen? "Ach, mein Mann schüttelt zwar auf der Bühne eben schnell mal was aus dem Ärmel, aber für ein Kind haben wir uns richtig viel Zeit gelassen", meint Natalia Niemi doppeldeutig. Kennen und lieben gelernt haben sie sich bei seiner Zaubershow, die bei Jay nicht aus einem Spiel mit riesigen kostspieligen Kulissen besteht, sondern noch echte gute alte handgemachte Kunst ist.
1997 war der im hohen Norden geborene Finne das erste Mal in Sachsen. Bis dahin schon mit Anerkennungen überhäuft und als jüngster Meister der magischen Zunft Skandinaviens gefeiert, trat er bei den Weltmeisterschaften der Zauberkünstler in Dresden auf. Und auch hier verzauberte er das Publikum und holte einen Preis. Kurz darauf engagierte ihn das Leipziger Krystallpalast-Varieté für eine Show. Dort sah die Klavier-Studentin Natalia einen brav gekleideten smarten Jüngling auf der Bühne, der in rasender Geschwindigkeit und mit bewundernswerter Fingerfertigkeit Karten und Tiere aus dem Ärmel schüttelte.
"Jay hatte so etwas ganz Unschuldiges und sah viel jünger aus, als er tatsächlich war", erinnerte sie sich schmunzelnd an die erste Begegnung. "Erst als er mir seinen Führerschein zeigte, merkte ich, dass er nicht 17 Jahre alt war, wie ich ursprünglich dachte, sondern Mitte 20. Er war sogar 51 Tage älter als ich", stellte sie schwarz auf weiß fest. Schnell hatten sie auch über die Kunst einen Draht füreinander. Von nun an zählte Natalia zum größten Fan vom Zauberer. Beruflich und privat. Sie saß künftig in der ersten Reihe seiner Vorstellungen, die er in ganz Europa präsentiert. So oft es ging, begleitete sie ihren Jay auf Tourneen. Eine neue Heimat fanden sie zusammen in Leipzig. Hier teilen sie Tisch und Bett.
Seit 1999 sind die heutige Musiklehrerin und der Magier auch amtlich ein Paar. Jay würde es schon gern sehen, wenn seine Tochter Alexandra mal in seine Fußstapfen tritt, "zumal es weltweit kaum Frauen als Zauberinnen gibt", weiß er. Und so wird es nicht mehr lange dauern, bis Leipzigs zauberhaftestes Ehepaar der Tochter Harry-Potter-Abenteuer als Gute-Nacht-Geschichte vorliest.