Der gute Ruf des Geschichtenschnitzers aus Mildenau hallt inzwischen bis zum Weihnachtsdorf Seiffen. Denn ausgerechnet von der traditionellen Quelle aller nur möglichen Schnitzkunst stammt Matthias Freunds beste Kundin. Sie kaufte seine bisher größte und schönste Arbeit: eine dreistöckige beleuchtete Pyramide. "Im Erdgeschoss baut Knecht Ruprecht zusammen mit den Zwergen in der Weihnachtsmannwerkstatt. Im ersten Stock backen Zwerge Kekse und in der Spitze putzen sie den Christbaum an", erinnert sich der Erzgebirger.

Kopien gibt es nicht
Typisch für den Schnitzer: Man kann nicht auf dem ersten Blick alle Details erfassen. Man muss sie entdecken, in Ecken und Winkeln stöbern, durch Fenster schauen. Das hat seinen Preis. 2500 Euro bezahlte die Kundin für das Freundsche Meisterwerk. Dafür kann sie sicher sein, ein Unikat zu besitzen. Typisch für den Schnitzer: Kopien gibt es bei ihm nicht. Zwar hat er gerade seine zweite Pyramide fertig, doch sie steht unter einem ganz anderen Stern, nämlich unter dem Motto: Der Weihnachtsmann liest seine viele Post.
Und während man auch in dieser Pyramide Verstecktes aufspürt, schnitzt Matthias Freund ganz ohne Geheimnisse in seiner hellen Ladenwerkstatt, in der ihm jeder ungezwungen über die Schulter und in die Schaufenster schauen kann. Dort stellt er seine bereits fertigen Szenen aus. Neben weihnachtlichen Geschichten liebt er vor allem die vom Bauernhof. "Schließlich bin ich auf einem groß geworden und hatte als Kind stundenlang Zeit, zu beobachten", denkt er zurück. Diese Bilder haben den gelernten Tischler geprägt und nicht mehr losgelassen. Und während sich Freunde und Bekannte auf Räuchermännchen und Schneemänner spezialisierten, schnitzte Matthias Freund nach der Arbeit Szenen vom Bauernhof.
Dabei konzentrierte er sich zunächst auf Tiere. Vom Menschen hinterließ er nur eine Spur: die liegengelassene Zeitung auf der Bank, die verriegelte Herzchentür eines Donnerbalkens, eine angefangene Flasche Bier auf dem Fensterbrett. In fünf Jahren hat er es auf über 50 Geschichten gebracht, die er auch erfolgreich ausstellt. Erfolglos blieb dagegen die heimische Suche nach einer Arbeit als Zimmermann. Deshalb wagte er in der vergangenen Weihnachtssaison, in seinem Heimatort aus dem Hobby einen Beruf zu machen. Er hat es nicht bereut, "auch wenn es gerade nach der Euroeinführung schwer ist, Unikate zu verkaufen, die durchschnittlich 600 Euro kosten", musste der zweifache Vater die Erfahrung machen. Trotzdem hält er zum Schnitzmesser und zum Lindenholz, das er ausschließlich verwendet: "Es ist ein sehr schönes gleichförmiges Holz."

Schnitzen nach Kundenauftrag
Künftig möchte er gern mehr nach Kundenaufträgen schnitzen. "So habe ich beispielsweise für den Enkel eines Schmiedemeisters die alte Schmiede samt Großvater verewigt oder für eine Nachbarin ihre Tierecke vom Hof mit Hund, Katzen, Häschen und Hühnern." Liegt das Objekt der (Schnitz-) Begierde in der Nähe, schaut es sich Matthias Freund vor Ort an, ansonsten reichen ihm Fotos und schon beginnt er in seinem Kopf Geschichten zu spinnen, die er wenig später mit seinen geschickten Händen umsetzt. Internet: www.schnitzfreund.de