Vorgesetzte haben in Haltung, Pflichterfüllung und Umgangston Vorbildfunktion. Gegen diese Pflichten sei - so der Bericht - in vielfältiger Weise verstoßen worden.
Bei der Fertigung von Passfotos sagte ein Hauptfeldwebel sinngemäß zu einem Hauptgefreiten: "Wenn eine Sache genetisch versaut ist, kriegt man es mit Prügel auch nicht mehr hin." Buße: Arrest auf Bewährung.
Ein Oberfeldwebel titulierte ihm unterstellte Soldaten mehrfach als "Tussi", "Püppi", "Lady", "Schatzi" oder "Sack". Die verbalen Entgleisungen trugen dem Unteroffizier ein Beförderungsverbot ein.
Ein anderer Oberfeldwebel zu einem Hauptgefreiten: "Hör auf zu grinsen, sonst trete ich's Dir aus der Fresse." Dafür bekam er einen Verweis.
Ein Dezernatsleiter im Range eines Oberstleutnants sagte nach der Information, ein ihm unterstellter Hauptmann habe einen Herzinfarkt erlitten: "Dann stellen wir sein Bett hier rein, und dann macht er Dienst von hier." Der Offizier büßte mit Beförderungsverbot.
Ein Stabsgefreiter und fünf Hauptgefreite zerrten einen Obergefreiten zu Boden und fesselten ihn. Anschließend schlugen sie und weitere sechs Soldaten ihrem Kameraden mit einem Esslöffel auf die Hoden. Gegen die Täter wurden Disziplinarmaßnahmen verhängt. Einige von ihnen wurden vorzeitig aus der Bundeswehr entlassen.
Zu den Fällen von Rechtsextremismus zählt folgende Begebenheit: An einer Bundeswehr-Universität bezeichnete ein Leutnant einen in Afrika geborenen Fahnenjunker (Offiziersanwärter) wiederholt als Neger. Bei einer Begegnung sagte der Leutnant in Anwesenheit einer Begleiterin zu dem Fahnenjunker: "Ich habe Dir doch gesagt, dass Du keine weiße Frau anfassen sollst." Gegen den Leutnant wurde eine Disziplinarbuße verhängt. Anmerkung des Wehrbeauftragten: Er bezweifle die Eignung des Leutnants zum Offizier. (dpa/ta)