Jetzt feierten sie ihren bisher größten Coup: die Übernahme des britisch-russischen Ölunternehmens TNK-BP für 61 Milliarden Dollar.

Es ist der größte Petroleum-Coup des Gespanns Putin-Setschin, die beide den St. Petersburger Clan der russischen Politik prägen. Der am 7. September 1960 in Leningrad (St. Petersburg) geborene Setschin gilt seit Langem als "grauer Kardinal" und gewiefter Strippenzieher.

Setschin folgt Putin wie ein Schatten, wie auch das Buch des inhaftierten Kremlkritikers Michail Chodorkowski "Mein Weg. Ein politisches Bekenntnis" darlegt. Darin wird nachgezeichnet, wie Setschin damals im Hintergrund das Verfahren gegen den Ex-Ölmanager gesteuert haben soll. Als der Chef des bis dahin größten russischen Ölkonzerns Jukos hinter Gittern saß, erhielt Setschin als Rosneft-Chef im Zuge der Zerschlagung des Chodorkowski-Imperiums die Filetstücke. Es ist nicht die einzige Intrige, die ihm nachgesagt wird.

Auch wenn es keine offizielle Bestätigung gibt, wird Setschin bis heute den Ruf nicht los, wie Putin einst für den KGB gearbeitet zu haben. Überliefert ist, dass der studierte Romanist, der Französisch und Portugiesisch spricht, zu Sowjetzeiten im ostafrikanischen Mosambik und auch in Angola arbeitete. Es heißt, er sei dort als Übersetzer tätig gewesen. Wie Putin promovierte Setschin, der verheiratet ist und eine Tochter hat, in Leningrad. Sein Thema: Öl und das Transitgeschäft. Als Putin nach einer gescheiterten Wahl seinen Job in der Stadtverwaltung verlor, folgte ihm der ebenfalls dort beschäftigte Setschin 1996 in die Präsidialverwaltung nach Moskau. Auch als Putin 2008 den Kreml verließ, um als Ministerpräsident zu arbeiten, folgte ihm Setschin als Vizeregierungschef. Die Wirtschaftszeitung "Wedomosti" nannte ihn damals den "informellen Verwalter der russischen Wirtschaft".

Setschin steht aus Sicht von Experten für einen immer stärkeren konservativen Machtflügel aus Gefolgsleuten um Ex-Geheim dienstchef Putin, die einen Polizeistaat nach sowjetischem Modell anstreben.