Dem überraschenden Adios der Spanier aus der internationalen Schutztruppe, die bisher mit knapp 16 000 Soldaten in der noch jungen Republik Kosovo präsent ist, folgte umgehend Kritik des Nato-Generalsekretärs Jaap de Hoop Scheffer. "Ich finde die Entscheidung nicht gut", sagte de Hoop Scheffer. Eine Nato-Sprecherin fügte rügend hinzu, solch ein Schritt sollte besser innerhalb der Allianz abgestimmt werden. Der Truppenabzug komme verfrüht, hieß es, die Sicherheitslage erlaube noch keine militärische Reduzierung. Spaniens sozialdemokratischer Regierungschef José Luis Zapatero ordnete jedoch auf eigene Faust, ohne die Nato zu konsultieren, den Rückzug an. Eine einseitige Entscheidung, mit der Spanien verspätet auf die vor einem Jahr vollzogene Unabhängigkeit des Kosovo reagiert. Zapatero hatte die Abspaltung des Kosovo von Serbien stets als "illegal" bezeichnet und damals auch verkündet, man werde diese neue Republik "nicht anerkennen". Die Mehrheit der EU-Staaten und die USA hatten den Kosovo derweil umgehend völkerrechtlich anerkannt. Die Verweigerung Spaniens erklärt sich aus den Unabhängigkeitsbestrebungen im eigenen Land. Vor allem im nordspanischen Baskenland liebäugelt annähernd die Hälfte der Bevölkerung mit einem eigenen Baskenstaat. Die Terror-Organisation Eta versucht die Abspaltung des Baskenlandes sogar gewaltsam durchzusetzen. Zapatero und eine breite Mehrheit im spanischen Parlament lehnen die Eigenständigkeit des Baskenlandes hingegen ab. Auch in der nordspanischen Region Katalonien mehren sich Rufe nach größerem Abstand zu Spanien. Als Zeichen des Protestes gegen die Unabhängigkeit des kleinen Balkanstaates vermied die spanische Verteidigungsministerin Chacon nun bei ihrem Truppenbesuch auch jeden Kontakt mit dem offiziellen Kosovo. Sie landete nicht auf dem internationalen Flughafen in Pristina, sondern auf dem Nato-Airport Dacovika. Sie wollte auch keinem kosovarischen Regierungsvertreter die Hand schütteln.