Auf dem Boden türmen sich immer noch Berge von Betonbrocken, Metallträgern und Resten zerrissener Autos.
Der Terroranschlag verursachte Schäden von etwa 40 Millionen Euro. Und nicht nur das: Die Bombe riss auch zwei Menschen in den Tod. Erst ein Opfer, ein Mann aus Ecuador, konnte gestern geborgen werden. Er hatte offenbar in seinem Auto geschlafen, als der Sprengsatz explodierte.

Politischer Flurschaden
Das Attentat richtete aber auch schweren politischen Flurschaden an. Der Hauptleidtragende auf dem Gebiet der Politik ist der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero. Der Sozialist hatte darauf gesetzt, die Eta in Verhandlungen zu einer Abkehr vom Terror und einer Niederlegung der Waffen bewegen zu können. Dieses Vorhaben ist gründlich gescheitert. Innenminister Alfredo Pérez Rubalcaba erklärte den Friedensprozess im Basskenland für gescheitert.
Dabei hatte sich Zapatero unmittelbar vor dem Anschlag noch optimistisch geäußert und den Spaniern Hoffnung auf ein Ende des Eta-Terrors gemacht. "Der Ministerpräsident und seine Berater waren schlecht informiert", hielt nun die Zeitung "ABC" der Regierung vor. "Sie sahen nur die eine Seite des Mondes." Dabei hatte es eine Reihe Anzeichen dafür gegeben, dass die Eta nicht an eine Abkehr vom Terror dachte: Die Separatisten erpressten trotz ihrer im März 2006 erklärten "Waffenruhe" Firmenchefs, raubten Pistolen und legten neue Waffenverstecke an.
"Die Eta hat uns reingelegt", zitierte "El País" einen Experten der Regierung. Nach Informationen der Zeitung hatten seit dem Sommer in der Führung der Eta die radikalen Kräfte an Einfluss gewonnen. Der oberste Eta-Chef José Antonio Urrutikoetxea alias "Josu Ternera", der für Verhandlungen mit Madrid eingetreten war, sei im Exekutivkomitee der Organisation von Hardlinern überstimmt und in seiner Macht beschnitten worden, weil er keine Resultate habe vorweisen können.

Niemand rechnete mit Attentat
Von dem Anschlag auf den Madrider Großflughafen wurden nicht nur Zapatero und seine Berater überrascht, sondern auch die Anhänger der Eta. "Niemand hatte mit so einem Attentat gerechnet", sagte Joseba Alvarez, Sprecher der Separatistenpartei Batasuna (Einheit).
Die verbotene Partei, die als der politische Arm der Eta gilt, gehört ebenfalls zu den großen Verlierern. Sie bekam jetzt deutlich zu spüren, dass sie von der Eta nicht ernst genommen wird. Die Bombe von Madrid zerstörte die Hoffnungen Batasunas auf eine Legalisierung und eine Teilnahme an den Kommunalwahlen im Mai. Den Parteiführern drohen nun Haftstrafen, denn gegen sie ist eine Reihe von Prozessen wegen Unterstützung des Terrors anhängig.
Schließlich manövrierte die Eta sich selbst in eine schwierige Lage. "Sie steht vor einer schweren Entscheidung", meint der Soziologe Ignacio Sánchez-Cuenca. "Entweder sie unternimmt etwas, um den Friedensprozess neu zu starten. Oder sie fordert den Staat (mit einer neuen Terrorwelle) heraus und legt es auf einen Kampf an, von dem sie von Anfang an weiß, dass sie ihn nur verlieren kann."