Er soll die Hintergründe der vom Bundesgerichtshof als "sittenwidrig" gerügten Inbesitznahme von zehntausend Privatgrundstücken in den Jahren 1999/2000 aufklären.Sie sei "zuversichtlich", dass es dann doch noch ein gemeinsames Votum des Ausschusses geben kann - ungeachtet der Irritationen um den vereitelten Alleingang von SPD- und CDU-Vertretern. "Die Fraktionen liegen nicht weit auseinander", sagte Lieske. Wie die RUNDSCHAU berichtete, hatten die Obleute von SPD und CDU hinter dem Rücken der zeitweise erkrankten Lieske und ohne Abstimmung mit der SPD-Fraktionsspitze einen "Koalitionsentwurf" für den Abschlussbericht erarbeitet, obwohl dies nach dem Gesetz ausdrücklich in Hoheit der Vorsitzenden liegt. Die Pressekonferenz, auf der das Papier präsentiert werden sollte, war abgeblasen worden. Lieske vermutet hinter der Aktion den beginnenden "Wahlkampf" und "Profilierungssucht", wobei sie die eigenen Parteifreunde einschloss. "Das war unmöglich und ungesetzlich", kritisierte Lieske. "Vielleicht ist irgendwem ein Relais durchgebrannt." Die Ausschusschefin bekam am Dienstag für ihr Vorgehen den Rückhalt der Fraktion. "Da haben Kollegen versucht, sich vorzudrängeln. Das war nicht in Ordnung. Jetzt sind wir wieder im gesetzlichen Verfahren", sagte SPD-Fraktionschef Günter Baaske. Die Kritik der Linken sei "berechtigt" gewesen. Auf CDU-Seiten lösten die SPD-Turbulenzen dagegen einige Verwunderung aus. Schließlich hatte Unions-Obmann Dierk Homeyer den Berichts-Entwurf intensiv mit den SPD-Obleuten Jens Klocksin, Thomas Günther und Susanne Melior ausverhandelt. "Ich nehme das alles zur Kenntnis", sagte Homeyer lapidar. In der Union sei alles abgestimmt. Völlig offen ist derzeit, wie das politische Tauziehen um die Bewertung des Skandals um die Landnahme endet. Lieske will nach eigenen Worten versuchen, für ihren Abschlussbericht zur Bodenreform-Skandal auch die Linken ins Boot zu holen. Anderseits gibt es aus den Reihen der SPD schon jetzt Kritik, dass der "Koalitions-Entwurf" schon "zu scharf" sei. Manche Formulierungen seien "zu polemisch", fand etwa Baaske. So wird mit Spannung erwartet, ob der Schluss-bericht zum Bodenreform-Skandal verschärft oder entschärft wird. In dem Koalitionspapier, das Lieske in ihren Bericht einfließen lassen will, werden schwere Versäumnisse des Regierungsapparates gerügt. Zwar habe niemand die Absicht gehabt habe, "sich oder das Land rechtswidrig zu bereichern", steht dort etwa. Dennoch sei nur neun Jahre nach der friedlichen Revolution in "einer Weise agiert" worden, "die rechtsstaatlichen Grundsätzen nicht entspricht". Dies habe "verheerende Folgen" für das Ansehen Brandenburgs und "könne nicht nur als landesinternes Problem betrachtet werden". Verantwortlich dafür sei ein Eigenleben des Finanzministeriums, ohne Wissen der Spitze, das von Kabinettsbeschlüssen nicht gedeckt war. Für die Opposition stellt sich die Frage, wer die politische Verantwortung dafür trägt, dass sich ein Apparat so verselbstständigen konnte.