Der 56-jährige, der keinesfalls nur in der märkischen PDS als Strippenzieher, "graue Eminenz" und ausgebuffter Stratege gilt, ist in seinem Element. Denn das kann er: Die "Linie" vorgeben, selbst wenn kaum noch eine erkennbar ist, wenn es in der Partei brodelt wie seit Jahren nicht, wenn in der PDS der Machtkampf um die Führung, um die Richtung tobt.
Es hat in Brandenburg einige PDS-Vorsitzende gegeben, doch der starke Mann war immer Vietze: parlamentarischer Geschäftsführer der PDS-Landtagsfraktion, Wahlkampfleiter, engster Vertrauter von Lothar Bisky. Vietzes Netzwerke reichen weit in die Bun-despartei hinein, wo er seit Jahren im Hintergrund agiert, wo man seinen Rat schätzt - ob früher Gregor Gysi oder jetzt Gabriele Zimmer.
Unmittelbar nach dem Eklat im Bundesvorstand wegen dessen Weigerung, ein Reformpapier zu diskutieren, besprach Vietze stundenlang mit der Bundesvorsitzenden die Krisenlage. Man darf davon ausgehen, dass dabei die Marschroute, nämlich Neuwahl des Vorstandes, festgeklopft wurde: Kurz danach forderte Brandenburgs Lan-deschef Ralf Christoffers - von Vietze ins Amt gebracht - als erster die Einberufung eines Sonderparteitages (die RUNDSCHAU berichtete), um die Blockierer im Vorstand auszuschalten.
Jetzt hat Lothar Bisky seiner Partei seinen Stellvertreter als neuen Bundesgeschäftsführer empfohlen: "eine Idealbesetzung". Vietze selbst wiegelt ab: Der Neuanfang, so stellte er gestern in der Fraktion klar, müsse "mit neuen Kräften" erfolgen. Eine Aussage, die er auf Bisky, aber auch auf sich selbst bezieht. Nein, Vietze will nicht Bundesgeschäftsführer werden. Er ist klug genug, um zu wissen, dass dies kein sonderlich glaubwürdiges Signal wäre, dass sofort wieder die Schlagzeilen vom Altkader aufgewärmt würden, vom Potsdamer SED-Kreischef, der den Polizeieinsatz im Oktober 1989 gegen Demonstranten steuerte, vom "Gesellschaftlichen Mitarbeiter" der Staatssicherheit.
Dass Bisky und Vietze als neue Bundesspitze im Gespräch sind, sei doch nur "ein Ablenkungsmanöver", heißt es im Umfeld der beiden. Man wolle "Zeit für ein neues Personaltableau gewinnen und die Reformgegner verunsichern". Der neue Vorstand, das hat Vietze im kleinen Kreis betont, müsse ein "klarer Reformvorstand" mit "neuen Gesichtern" werden. Vietze, lernfähig und pragmatisch, ist in diesen Tagen fast rund um die Uhr als Krisenmanager aktiv. Es gibt noch einen weiteren Grund, warum er nicht in die Bundesspitze aufsteigen will. In Brandenburgs PDS muss demnächst der Generationswechsel vollzogen werden. Bisky will mit der Landtagswahl 2004 als Fraktionschef abtreten. Hinter den Kulissen bereitet Vietze schon jetzt die Kür des künftigen Spitzenkandidaten vor. Ein Genosse: "Ohne ihn läuft nichts."