Viel getan hat sich beim CDU-Personal in den letzten zwölf Jahren nicht: An der Spitze der Fraktion steht seit 1994 ununterbrochen der Elektronikingenieur Fritz Hähle aus Grüna bei Chemnitz, genannt der "ewige Fritz”. Man schätzt die knurrigen Späße, die Weihnachtsreden und die Herrnhuter Losungen, mit denen der behäbige Chef stets die Sitzungen eröffnet und den Laden zusammenhält.
Doch mit der Eintracht geht es langsam zu Ende. Wenn am Mittwoch die enge Fraktionsführung wieder gewählt wird, soll Hähle nach dem Willen einiger Christdemokraten zumindest kräftig eins vors Schienbein bekommen. Zwar wagt keiner unter den 55 Unions-Abgeordneten den offenen Aufstand gegen den mittlerweile 64-Jährigen Vorsitzenden. Doch soll er auch den Unmut mancher Parteifreunde über mangelndes Engagement zu spüren bekommen.
Der Ärger kann sich in der Abstimmung nicht nur in einigen Enthaltungen äußern, sondern auch auf einem anderen Schauplatz: Bei der Wahl des Parlamentarischen Geschäftsführers - Hähles rechter Hand im Landtagsgeschäft. Amtsinhaber Heinz Lehmann wird dabei einen Gegenkandidaten haben: Der 35-jährige Volkswirt Roland Wöller aus Freital macht Lehmann den Posten streitig. "Ich werde antreten”, bestätigte Wöller der RUNDSCHAU. Er wolle die Fraktion "nach vorne bringen”, das Profil der Union in der CDU-SPD-Koalition sowie im Gefüge der sechs Parlamentsfraktionen schärfen und die Zusammenarbeit mit der Regierung verbessern.
Hinter der Bewerbung steht jedoch nicht nur persönlicher Ehrgeiz, sondern handfester Frust über die Fraktionsführung, zu der auch die Vizes Frank Kupfer aus Oschatz und Rita Henke aus Bad Düben gehören. Hähle kümmere sich nicht um inhaltliche Themen, nehme selbst wenig in die Hand, seit der letzten Wahl sei nicht viel passiert. Die Union müsse neben SPD und Opposition an Präsenz zulegen. "Das kann doch nicht so weitergehen”, murren Abgeordnete, tun das allerdings schon seit vielen Jahren. Jetzt aber müssten mit Blick auf die Wahl 2009 der Stillstand beendet und Weichen für eine Verjüngung an der Spitze gestellt werden.
Der Ausgang des Postenrennens ist völlig unklar. Insider gehen von einer 50-zu-50-Chance für Wöller aus, zumal er wegen seiner westdeutschen Herkunft ein Handicap hat. Die Beharrungskräfte in der Fraktion waren schon einmal - auf einer Leipziger Klausur im Januar 2001 - deutlich stärker. Im Zuge der Ränkespiele um die Ministerpräsidenten-Nachfolge zwischen Kurt Biedenkopf und Georg Milbradt siegte Hähle noch im ersten Wahlgang gegen die damaligen Konkurrenten - den mittlerweile ausgeschiedenen Kollegen Uwe Grüning und den heutigen Finanzminister Horst Metz. Jetzt aber dürfte die letzte Wegstrecke des beständigen Vorsitzenden eingeläutet sein.