Das eine ist die zunehmende Spaltung in Für und Wider. Das nimmt immer mehr auch aggressiven Charakter an", sagte Maaz am Montag in Halle (Saale). Das zweite Problem liege in der größeren Gruppe, der schweigenden Mehrheit: "Da wächst der Protest gegen die Politik. Man fühlt sich in den Bedenken, die da sind, nicht mehr genug von der Politik verstanden."

"Nach meiner Beobachtung ist im Osten die Kritik an der Politik noch deutlicher. Das hat sicher etwas mit der Vergangenheit zu tun, sicher auch mit den schwierigen Vereinigungsproblemen für viele Menschen", sagte er. "Das heißt, man ist empfindlicher gegenüber politischen Äußerungen - vor allem, wenn die Politik mit Phrasen daherkommt und mit einseitigen Abwertungen." Der Osten stehe stärker im Mittelpunkt der Diskussionen. "Es wird immer nach einem Sündenbock gesucht", sagte Maaz. Wenn man jetzt den Osten schlecht machen könne, weil dort die Proteste größer seien, dann werde auch davon abgelenkt, was mit der Vereinigung falsch gelaufen sei.

Nach den jüngsten Gewalttaten gegen Flüchtlinge sieht Maaz auch die Gefahr, dass bei einem Teil der Menschen die Hemmschwelle sinkt. Diese geschehe, je weniger die Politik zur Wahrheit vordringe und die Menschen mitnehme. Er forderte von der Politik klare Aussagen. "Die praktische Politik hat für meinen Begriffe erhebliche Schuld an der zunehmenden Spaltung in der Gesellschaft und der Beunruhigung und der Gewaltexzesse."

Maaz hatte nach der Wende mit dem Buch "Der Gefühlsstau" über die Befindlichkeiten der Ostdeutschen für Diskussionen gesorgt.