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Luthers Werk wird 500 – die Feiern können beginnen

In Wittenberg und anderswo wurden ihm Denkmäler gesetzt – Martin Luther prägte sein Jahrhundert und wirkt bis in die heutige Zeit.
In Wittenberg und anderswo wurden ihm Denkmäler gesetzt – Martin Luther prägte sein Jahrhundert und wirkt bis in die heutige Zeit. FOTO: dpa
Berlin. Am Montag wird das Reformationsjubiläum feierlich eröffnet – kommt es sogar zum gemeinsamen Abendmahl? Benjamin Lassiwe / iwe1

Was vor 499 Jahren in Wittenberg genau geschah, weiß im Grunde niemand. Ob der Augustinermönch Martin Luther im grauen Herbstnebel des 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen tatsächlich an die Tür der Schlosskirche nagelte oder ob er sie nur an andere Gelehrte verschickte, ist unter Historikern umstritten. Vom Feiern freilich hält das niemanden ab. Mit Festgottesdiensten und Staatsakten werden am Montag in Berlin und im schwedischen Lund die Feierlichkeiten zum 500. Jubiläum der Reformation eröffnet. Und die Erwartungen sind groß.

Der Papst fährt nach Lund

"Wir werden zum ersten Mal in der Geschichte ein europäisches und zugleich ökumenisches Reformationsjubiläum feiern", sagt der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm. Deutlich wird das vor allem im schwedischen Lund: Dort wurde 1947 der Lutherische Weltbund gegründet, in dem heute 145 lutherische Kirchen aus 98 Ländern zusammengeschlossen sind. Zur Eröffnung des Reformationsjahres fährt daher sogar der Papst nach Lund: Gemeinsam mit dem LWB-Präsidenten Munib Junan wird Franziskus am Montag das Jubiläum auf der Weltebene eröffnen. Im Mittelpunkt steht ein gemeinsamer Gottesdienst im Dom von Lund - und eine Erklärung, über deren Inhalt in Kirchenkreisen seit Monaten spekuliert wird.

Denn zwischen Katholiken und Lutheranern bestehen auch fast 500 Jahre nach dem Thesenanschlag tiefe Gräben. Deutlich werden sie vor allem bei Abendmahl und Eucharistie: Die katholische Kirche lässt Protestanten nicht zur Eucharistie zu und verbietet ihren Mitgliedern die Teilnahme an evangelischen Abendmahlsfeiern. Bedford-Strohm spricht gar von einer "offenen Wunde". Wird sich dieser Zustand zum Jubiläum ändern? "Ich hoffe, dass von Lund ein ökumenisches Signal ausgeht", sagt Bedford-Strohm. Und in der Tat nehmen die Spekulationen zu, dass Franziskus wenigstens jenen Protestanten, die mit einem Katholiken oder einer Katholikin verheiratet sind, die Teilnahme am Abendmahl ermöglichen könnte. Denn in der zur Reformationszeit heiß umstrittenen Frage nach der Bedeutung des Abendmahls gibt es heute zwischen Lutheranern und Katholiken keine Unterschiede mehr.

Solche theologischen Fortschritte sind von den Berliner Feierlichkeiten nicht zu erwarten. Doch auch wenn in der Marienkirche am Alexanderplatz die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) das Jubiläum eröffnet, wird es ökumenisch zugehen. "Mit Karl Kardinal Lehmann wird erstmals ein Katholik die Martin-Luther-Medaille der EKD erhalten", sagt Bedford-Strohm. An den Gottesdienst in Berlin schließt sich ein staatlicher Festakt an - denn insgesamt unterstützen Bund und Länder die Jubiläumsfeierlichkeiten mit mehr als 50 Millionen Euro, während die EKD knapp 30 Millionen Euro beisteuern wird. Denn im kommenden Jahr wird es eine Vielzahl von Veranstaltungen geben, die sich rund um die Reformation, um Martin Luther und seine Erkenntnis, dass der Mensch nicht durch gute Werke, sondern nur durch die Gnade Gottes allein vor Gott bestehen kann, drehen.

Erinnerung an die Streitigkeiten

Zum Beispiel den Evangelischen Kirchentag, der vom 24. bis 28. Mai in Berlin und Wittenberg stattfindet, ein Konfirmandencamp mit 25 000 Teilnehmern und ein europäischer Stationenweg, bei dem ein Truck durch ganz Europa fahren und Reformationsgeschichten sammeln soll. Und weil die Reformation nicht nur Freude, sondern zum Beispiel auch Glaubenskriege ausgelöst hat, wird es im März 2017 in Hildesheim einen Gottesdienst geben, bei dem Katholiken und Protestanten gemeinsam um Vergebung für die Streitigkeiten der Reformationszeit beten wollen. Und schließlich ist das Jubiläum auch mit einer Sache verbunden, die dem Reformator Martin Luther wohl persönlich besonders am Herzen gelegen hätte: der Revision der Lutherbibel. Erst vor wenigen Tagen wurde die Neuausgabe auf der Frankfurter Buchmesse vorgestellt - und schon heute sind mehr als 140 000 Exemplare verkauft worden. "Es lässt hoffen, dass das Wort Gottes so viel Nachfrage findet", sagt Bedford-Strohm.