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Luther und die Freiheit des Christenmenschen

Erstausgabe der Freiheitsschrift mit eigenhändigen Änderungen von Martin Luther. Es ist Ausgangspunkt der zentralen Brandenburger Ausstellung zu den diesjährigen Reformationsfeierlichkeiten.
Erstausgabe der Freiheitsschrift mit eigenhändigen Änderungen von Martin Luther. Es ist Ausgangspunkt der zentralen Brandenburger Ausstellung zu den diesjährigen Reformationsfeierlichkeiten. FOTO: iwe/1
Potsdam. Eine Ausstellung im Potsdamer Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte beschäftigt sich mit dem Wirken des Reformators in der Region. Benjamin Lassiwe / iwe1

Es ist nur ein kleines, unscheinbares Bild in einem altertümlichen, hölzernen Rahmen. Abgebildet ist das Porträt eines sichtlich wohlgenährten Mannes, mit schläfenlangen, schwarzen Haaren und einem roten Barett. Doch für die Kunstgeschichte ist diese Zeichnung von außerordentlicher Wichtigkeit: Das Bild von Lucas Cranach dem Älteren zeigt seinen Freund, den Reformator Martin Luther. Es war das Vorbild für alle Ölgemälde aus der Cranachwerkstatt in Wittenberg. Heute befindet sich das Bild in schottischem Privatbesitz. Doch wer in diesen Tagen die Brandenburger Landeshauptstadt Potsdam besucht, kann es sehen: Im Rahmen der Ausstellung "Reformation und Freiheit - Luther und die Folgen für Preußen und Brandenburg" wird die Zeichnung im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte erstmals in einer deutschen Ausstellung gezeigt.

Und auch andere Objekte der Schau sind spektakulär: Ein Brief aus dem Landesarchiv Sachsen-Anhalt, den Luther 1519 an Georg Spalatin schrieb. In griechischer Sprache unterschrieben - mit den Worten "Martin, der Befreit." "Ausgehend von Luthers Freiheitsschrift wollen wir zeigen, wie die Menschen Luthers Erkenntnis von der Freiheit eines Christenmenschen verstanden haben", sagt die Kuratorin der Ausstellung, Ruth Slenczka. Dabei widmet sich die Ausstellung besonders der politischen und der Herrschaftsgeschichte: So wird an Hand in Silber gefasster Bücher aus der Silberbibliothek des ehemaligen Königsberger Schlosses gezeigt, wie für die preußischen Herrscher ein Buch ebenso zur Herrschaftsinsignie wurde, wie ihr Zeremonialschwert. Das Vorbild dafür war ebenfalls der Reformator: "Martin Luther wird auf Gemälden stets mit einem Buch, der Bibel, dargestellt", sagt Slenczka.

Bemerkenswert an diesem Objekt ist freilich noch etwas anderes: Denn für die Ausstellung suchten die Kuratoren auch Kontakt nach Polen, zu dem seit dem Zweiten Weltkrieg bekanntlich große Teile Brandenburgs sowie das ehemalige Herzogtum Preußen gehören. Doch während es nach Aussage der Kuratorin eine wirklich gute Zusammenarbeit mit der Nikolaus-Kopernikus-Universität in Thorn gab, gelang es nicht, den polnischen Außenminister analog zu seinem deutschen Pendant Sigmar Gabriel (SPD) um die Schirmherschaft der Ausstellung zu bitten. Womit eine überaus gelungene historische Ausstellung ganz unversehens auch ein Schlaglicht auf die heutigen deutsch-polnischen Beziehungen wirft.

"Reformation und Freiheit - Luther und die Folgen für Preußen und Brandenburg", zu sehen bis zum 21. Januar 2018, Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte Potsdam

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Abguss der Wilsnacker Glocke. Kurfürst Joachim II. hatte die Glocke nach Berlin abtransportieren lassen und setzte damit ein symbolträchtiges Zeichen seiner neuen Macht.
Abguss der Wilsnacker Glocke. Kurfürst Joachim II. hatte die Glocke nach Berlin abtransportieren lassen und setzte damit ein symbolträchtiges Zeichen seiner neuen Macht. FOTO: dpa
Aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt: Luther-Bildnis von Lucas Cranach d.Ä. aus dem Jahr 1532.
Aus Privatbesitz zur Verfügung gestellt: Luther-Bildnis von Lucas Cranach d.Ä. aus dem Jahr 1532. FOTO: dpa