In der Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht Dresden ging das Stadtoberhaupt auf keinen Kompromiss ein. Sie verlangte neuerlich, dass das Nacktbild weder im Internet noch auf Ausstellungen gezeigt werden darf. Die Malerin hatte sich bereit erklärt, auf Veröffentlichungen im Internet zu verzichten, will das mittlerweile verkaufte Bild jedoch auch weiterhin ausstellen. "Durch das Gemälde werden meine Intimsphäre und Persönlichkeitsrechte erheblich verletzt", sagte Orosz. Die Darstellung mit Strapsen rücke sie in die Nähe einer Prostituierten, verbunden mit einem enormen Achtungs- und Autoritätsverlust für ihr Amt. Auf der Gegenseite argumentierte Malerin Lust: "Wenn ich einmal berühmt werde, möchte ich die Chance haben, das Bild zu zeigen." Tatsächlich verbucht die vorher weitgehend unbekannte Dresdner Künstlerin durch die Diskussion um das Nacktbild steigendes Interesse an ihren Werken. Mit dem Bild "Frau Orosz wirbt für das Welterbe" wollte Lust gegen die Waldschlösschenbrücke Stellung beziehen. Das umstrittene Bauwerk hatte Dresden im vergangenen Jahr den Welterbe-Titel gekostet. "Künstler müssen sich politisch einmischen", sagte sie. Das Landgericht Dresden hatte im vergangenen Dezember per einstweiliger Verfügung entschieden, dass das Bild nicht mehr öffentlich gezeigt werden darf. Dagegen legte die Malerin Berufung ein. Das Oberlandesgericht muss nun abwägen, was schwerer wiegt - Kunstfreiheit oder Persönlichkeitsrecht. Das Urteil soll am Freitag kommender Woche verkündet werden. dpa/mb