Im ersten Lungenkrebszentrum Thüringens und Sachsens bündeln das Wald-Klinikum Gera und die Paracelsus-Klinik Zwickau ihre Kompetenzen. "Das Zentrum garantiert eine erheblich über dem Durchschnitt liegende Kompetenz und Behandlungsqualität", erklärte der Geraer Chefarzt für Thorax- und Gefäßchirurgie, Thomas Lesser, am Mittwoch. Voraussetzung für das Zertifikat der Deutschen Krebsgesellschaft sei etwa eine hohe Zahl an Lungenkrebspatienten, um den Betroffenen viel Erfahrung in der Therapie zu bieten.

Voriges Jahr wurden an beiden Häusern zusammen fast 300 neue Lungenkrebserkrankungen diagnostiziert und behandelt. Lungenkrebs ist nach Angaben des Robert Koch-Instituts die dritthäufigste Krebserkrankung in Deutschland.

Als häufigste Ursache gilt das Rauchen, aber auch radioaktive Gase und Stäube können diese bösartigen Tumore hervorrufen. Daher sind viele einstige Bergleute der Wismut, die zu DDR-Zeiten in Sachsen und Thüringen Uran abbauten, betroffen.

Laut Ulrich Grolik von der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und chemische Industrie wurden allein seit Anfang der 90er-Jahre fast 3500 Fälle von Lungenkrebs bei einstigen Beschäftigten der Wismut entschädigt - etwa in Form einer Rente.

Als einstige Bergarbeiterkrankenhäuser haben die Kliniken in Gera und Zwickau daher jahrzehntelange Erfahrung mit Lungenkrebspatienten. So sei die Sterblichkeit der Patienten innerhalb von 30 Tagen nach der Operation mit 2,6 Prozent vergleichsweise gering, erläuterte Lesser.

In dem Zentrum werden die Betroffenen gemeinsam behandelt und bekommen quasi unter einem Dach alle medizinischen Leistungen von der Diagnostik über Operation, Strahlen- und Chemotherapie bis hin zur Nachbetreuung geboten. Zudem werde jeder einzelne Fall gemeinsam von den Experten beider Kliniken besprochen. Großen Nachholbedarf gebe es bei der Früherkennung von Lungenkrebs, sagte Lesser. Bisher würden die Tumore häufig erst in einem späten Stadium entdeckt, so dass die weitere Lebenserwartung der Patienten sehr gering sei.

Nur etwa jeder Sechste ist fünf Jahre nach der Diagnose noch am Leben. Werde der Krebs in einem frühen Stadium entdeckt, seien es bis zu 60 Prozent, betonte Lesser. Zur Früherkennung stünden etwa Ultraschalluntersuchungen und die sogenannte Bronchioskopie - die Spiegelung der Atemwege - zur Verfügung. Vor allem Risikopatienten wie starken Rauchern seien diese Untersuchungen zu empfehlen. In Deutschland gibt es mehr als 30 von der Deutschen Krebsgesellschaft zertifizierte Lungenkrebszentren.