Diesen Anspruch erhebt die Landespartei, obwohl mit dem Lübbenauer Landtags-Vizepräsidenten Martin Habermann und Ex-Landesbauernpräsident Heinz-Dieter Nieschke aus Lübben zwei erfahrene Abgeordnete aus Altersgründen nicht mehr antreten. "Wir haben dennoch eine schlagkräftige Mannschaft beisammen", ist sich Generalsekretär Lunacek sicher. Zwar habe es bei der Aufstellung der Landesliste Ende der Vorwoche eine lange Diskussion gegeben. Doch an der vom geschäftsführenden Landesvorstand vorgelegten Liste mit 48 Kandidaten seien vom Parteivorstand keine Veränderungen mehr vorgenommen worden.
Während die Führungsriege der Partei um den Landesvorsitzenden Jörg Schönbohm, Fraktionschefin Beate Blechinger oder die Minister Ulrich Junghanns, Johanna Wanka und Barbara Richstein auf den vorderen Plätzen rangieren (die RUNDSCHAU berichtete), wird die Spitze des Mittelfeldes von Wilfried Schrey (Elbe-Elster) auf Platz zehn angeführt. Darin kann durchaus eine Reverenz an den Süden gesehen werden, wenngleich Wissenschafts-Ministerin Johanna Wanka mit ihrem bis nach Lübben und Luckau reichenden Wahlkreis in Dahme-Spreewald auf Platz sechs jetzt mit zu den Lausitzern in Potsdam zählt.
Da die CDU-Landesspitze nach den gerade im Landes-Süden so erfolgreich verlaufenen Kommunalwahlen 2003 und dem anhaltenden Umfrage-Hoch von etwa 30 Mandaten (zurzeit 25) nach dem 19. September ausgeht, gilt gegenwärtig ein Listenplatz unter den ersten 30 als sicher für den Einzug in den Landtag. Damit gehen die Habermann-Nachfolgerin Roswitha Schier (Platz 15 auf der Landesliste), der Ortrander Ingo Senftleben (17), Monika Schulz (19) aus Guben sowie der Cottbuser Steffen Komann (25), Frank Werner (Plessa/26) und der Spremberger Andreas Kottwitz (28) aussichtsreich ins Rennen. Wenngleich Generalsekretär Lunacek davon ausgeht, dass die CDU im September sieben bis neun Wahlkreise ("Es dürfen aber auch mehr werden.") gewinnen könnte, dürften Listenkandidaten über die 30 hinaus kaum Chancen für einen Einzug in den Landtag haben. Das trifft auf den Cottbuser Wolfgang Bialas (Listenplatz 36) sowie Jürgen Br etschneider (Senftenberg/43) zu. Es sei denn, sie gewinnen ihre Wahlkreise. Denn die CDU hat auf den ersten 44 Positionen der Landesliste ausnahmslos die Direktkandidaten platziert.
"Ich sehe die Lausitz-Fraktion mit der Landesliste durchaus gestärkt", bewertet der Landtagsabgeordnete Ingo Senftleben - neben Frank Werner einziger CDU-Wahlkreissieger bei der 99er Wahl - den Vorschlag des Landesvorstandes. Und auch Werner hebt hervor, dass es sich um eine ausgewogene Landesliste handele. Kampfabstimmungen während der Landesvertreterversammlung am 6. März, die die Liste letztlich beschließt, hält Werner deshalb für wenig sinnvoll.

Hintergrund Landeslisten
 Auf den Landeslisten platzieren die Parteien ihre Kandidaten für die künftigen Parlamentsfraktionen. Dabei erhalten die Partei- und Fraktionsspitzen - Landes- wie Fraktionschef sowie deren Stellvertreter und Minister - die aussichtsreichen vorderen Plätze. Für die Rangfolge spielen dann Kriterien wie die Absicherung der einzelnen Politikfelder mit Spezialisten, aber auch die regionale Ausgewogenheit eine Rolle. Die Landesliste einer Partei wird wirksam, wenn mehr Mandate etwa für die Landtagsfraktion zu vergeben sind, als Direktwahlkreise gewonnen wurden.