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| 01:02 Uhr

Lula fordert beim Weltsozialforum „neue Handelsgeographie“

Porto Alegre.. Zum Auftakt des 5. Weltsozialforums (WSF) hat sich Brasiliens linksgerichteter Staatspräsident Luiz Inácio Lula de Silva für engere wirtschaftliche Beziehungen unter den Ländern der Dritten Welt ausgesprochen.

Eine "neue Handelsgeographie" sei nötig, sagte der frühere Gewerkschaftschef vor mehr als 10 000 Menschen in der südbrasilianischen Stadt Porto Alegre. Seit seinem Amtsantritt vor gut zwei Jahren habe Brasilien die Beziehungen zu vielen Entwicklungsländern intensiviert.

Drei Hauptforderungen
Lula gab in Porto Alegre außerdem den Startschuss für eine weltweite Kampagne gegen Armut und Hunger. Es handelt sich um eine Initiative von Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt, die "Globaler Aufruf für Aktionen gegen die Armut" heißt und drei Hauptforderungen stellt: Schuldenerlass für die ärmsten Länder, mehr humanitäre Hilfe seitens der Industriestaaten und das Ende der Handelssubventionen in den USA und Europa. Lula erhielt dafür viel Beifall, wurde aber auch von vielen Linken, die ihm mangelhafte soziale Fortschritte vorwerfen, ausgepfiffen.
Das 5. Weltsozialforum war am Mittwochabend mit einem "Friedensmarsch" von rund 200 000 Globalisierungskritikern, Shows und Kritik an US-Präsident George W. Bush eröffnet worden. Vertreter von 5700 Nichtregierungsorganisationen aus aller Welt zeigten sich mit bunten Fahnen zum Rhythmus der Trommeln brasilianischer Indios. Auf Plakaten wurden unter anderem der Krieg im Irak und die sozialen Ungleichheiten auf der Welt angeprangert. "Es war beeindruckend, das waren mehr als 200 000 Marschteilnehmer", sagte ein Polizeisprecher.
In Porto Alegre stehen unter dem Motto "Eine bessere Welt ist möglich" bis zum 31. Januar täglich um die 500 Seminare, Vorträge, Debatten, Workshops und künstlerische Aktivitäten auf dem Programm. Das WSF findet parallel und als "Gegenpol" zum Weltwirtschaftsforum in Davos (Schweiz) statt. Der Internationale Rat des Forums beschloss in Porto Alegre, dass das WSF 2006 in mehreren Städten von mindestens drei Kontinenten (Afrika, Asien und Lateinamerika) "dezentralisiert" stattfinden soll, um noch mehr Menschen die Teilnahme zu ermöglichen.

Gegen den "Neoliberalismus"
Neben der Friedensnobelpreisträgerin Wangari Maathai aus Kenia, dem brasilianischen Befreiungstheologen Leonardo Boff und dem Literaturpreisträger José Saramago aus Portugal werden in Porto Alegre Vertreter von Umweltschutz-, Indio-, Homosexuellen-, Bauern-, Prostituierten- und vielen anderen Gruppen anwesend sein. Angemeldet haben sich auch Venezuelas umstrittener Staatschef Hugo Chávez und Spaniens Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero. Laut WSF-Organisatoren sind diese Gruppen und Personen trotz spezifischer Forderungen und Interessen im Widerstand gegen den "Neoliberalismus" vereint. (dpa/AFP/ab)