Die US-Streitkräfte haben am Samstagabend erneut Luftangriffe auf die irakische Hauptstadt Bagdad geflogen. Während des rund 15 Minuten langen Angriffs waren Dutzende Einschläge von Raketen und Marschflugkörpern zu sehen. Der Himmel über Bagdad wurde immer wieder durch Lichtblitze erleuchtet. Während des Angriffs waren Gebetsrufe der Muezzins sowie das „Allahu Akbar“ (Gott ist groß) von den Minaretten der Moscheen zu hören. Nähere Angaben über Opfer und Schäden sowie die Ziele lagen noch nicht vor.

Die irakische Armee hatte zuvor am Nachmittag damit begonnen, Öl in Gräben rund um Bagdad anzuzünden. Die schwarzen Rauchwolken waren als Verteidigung gegen die Luftangriffe gedacht. Nach Angaben des arabischen Fernsehsenders El Dschasira will die irakische Armee mit dem Rauch Raketen und Flugzeuge fehlleiten.

Erstmals war Bagdad am Samstag auch den Tag über angegriffen worden. Bei den schweren Luftangriffen, die am Freitagabend begonnen hatten, kamen nach Angaben des Gesundheitsministeriums in der Hauptstadt drei Menschen ums Leben, mehr als 250 wurden verletzt. Bei den Luftangriffen auf Basra starben nach Angaben des Fernsehsenders El Dschasira 50 Iraker, darunter auch ein zwei Jahres altes Kind.

Nach ihrem ersten schnellen Vormarsch durch die südirakische Wüste stießen Einheiten der 7. US-Kavalleriedivision auf dem Weg nach Bagdad am Samstag auf hartnäckigen Widerstand irakischer Truppen. Der US-TV-Sender CNN berichtete von Artilleriebeschuss und Abwehrfeuer gegen US-Kampfhubschrauber. Die amerikanische Einheiten seien aber bereits bis auf 250 Kilometer auf Bagdad vorgerückt, meldete der Sender. Die irakische Armee hat nach Angaben des britischen Generalstabschefs Sir Michael Boyce „praktisch alle“ Öl- und Gasanlagen im Lande vermint.

Bei einem US-Luftangriff auf ein Lager von mutmaßlichen Mitgliedern des El-Kaida-Netzwerkes, der Ansar-el-Islam-Miliz, im Nordirak soll es nach Berichten von El Dschasira Dutzende von Todesopfern und Verletzten gegeben haben.

Wirbel um Einmarsch der Türken in Kurdistan

Nach einem Bericht des TV-Senders CNN Türk sind rund 1000 türkische Soldaten in den Irak einmarschiert. Dies wurde vom türkischen Generalstab dementiert, jedoch von US-Militärs bestätigt. Nach Darstellung Ankaras sollen damit irakische Flüchtlinge abgefangen und das Eindringen kurdischer Rebellen verhindert werden. Auch will die Türkei offenbar die Gründung eines Kurdenstaates im Nordirak unterbinden.

Bei einem Eingreifen der Türkei in den Irak-Krieg will die Bundesregierung die deutschen Soldaten aus den AWACS-Aufklärungsflugzeugen der NATO abziehen. Das kündigte Außenminister Joschka Fischer nach einer Sitzung des Sicherheitskabinetts an.

Weltweit demonstrierten am Samstag hunderttausende Menschen gegen den Krieg. Allein in London gingen nach Angaben der Organisatoren rund 150000 Menschen auf die Straße. Zunächst war von 500 000 Teilnehmern die Rede. Lautstark aber friedlich zogen die Demonstranten in mehreren Zügen zum Hyde Park. An Kundgebungen in Frankreich beteiligten sich ebenfalls 100 000 Menschen, mehrere 10 000 allein in Paris. Vor der US-Botschaft in Brüssel kam es nach einer Friedenskundgebung zu Ausschreitungen.

In zahlreichen deutschen Städten protestierten rund 150000 Menschen gegen den Krieg - allein 40000 in Berlin. Jeweils rund 10000 Kriegsgegner zählte die Polizei in Hamburg, Jena, Köln, Nürnberg und Stuttgart. In Frankfurt am Main versammelten sich rund 15000 Kurden, um gegen den angeblichen Einmarsch türkischer Truppen im Nord-Irak zu demonstrieren und ihr Frühlingsfest Newroz zu feiern. Auch in Bielefeld, Osnabrück, München, Düsseldorf und Heidelberg gab es Kundgebungen. Die Protestveranstaltungen verliefen den Angaben zufolge friedlich.

In Griechenland, Dänemark, Finnland und der Schweiz gingen jeweils zwischen 10000 und 20000 Menschen auf die Straße. Zehntausende Menschen in Kopenhagen und anderen dänischen Städten protestierten gegen die Beteiligung ihres Landes am Irak-Krieg. Das dänische Verteidigungsministerium hatte zuvor offiziell erklärt, das Land befinde sich im Kriegszustand mit dem irakischen Regime von Saddam Hussein. In Helsinki war es mit 20 000 Teilnehmern die größte finnische Friedensdemonstration überhaupt. In Sarajevo und Warschau protestierten jeweils mehrere hundert Menschen.

Gewalttätige Auseinandersetzungen bei Demonstrationen

Im Golfstaat Bahrain kam es am zweiten Tag in Folge zu gewalttätigen Auseinandersetzungen zwischen Demonstranten und Sicherheitskräften. Bei den Anti-Kriegs-Protesten vor der britischen Botschaft in der Hauptstadt Manama wurden nach Augenzeugenberichten am Samstag mindestens zehn Menschen verletzt. Die Polizei setzte Tränengas und Gummigeschosse ein.
In Bangladesch riefen islamische Geistliche bei Demonstrationen zum „Heiligen Krieg“ wegen der Angriffe auf den Irak auf. Es sei eine Pflicht, die muslimischen Glaubensbrüder im Irak zu verteidigen. Tausende Palästinenser in Lagern in Süd- und Nordlibanon riefen die Araber dazu auf, amerikanische Produkte zu boykottieren. „Mit unserem Blut verteidigen wir die Menschen des Irak“, skandierten sie.

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