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| 02:40 Uhr

Lübbenauer droht langjährige Haft

Rechtsanwalt Wolfram Beck zu Prozessbeginn neben seinem mit einer Jacke vermummten Mandanten. Dem droht lange Haft.
Rechtsanwalt Wolfram Beck zu Prozessbeginn neben seinem mit einer Jacke vermummten Mandanten. Dem droht lange Haft. FOTO: LR-Archiv
Cottbus. Am kommenden Freitag wird das Landgericht Cottbus das Urteil gegen Thomas W. verkünden. Er soll sich massiv an einem Heranwachsenden und einem geistig behinderten Jungen vergangen haben. Simone Wendler

Staatsanwältin Jessica Hansen hat am Dienstagvormittag vor dem Landgericht Cottbus in ihrem Plädoyer neuneinhalb Jahre Haft für den angeklagten Kraftfahrer gefordert. Die Anwälte der beiden als Nebenkläger am Prozess beteiligten Opfer schlossen sich dieser Forderung an.

Nach ihrer Überzeugung habe die Hauptverhandlung ergeben, dass sich der 54-Jährige monatelang an einem geistig behinderten Jungen in Lübbenau sexuell verging und ihn im Sommer 2014 wochenlang versteckte. Mit Fahndungsplakaten und Zeugenaufrufen war in der Spreewaldstadt nach dem damals 14-Jährigen fieberhaft gesucht worden. Anklagevertretung und Nebenkläger waren auch überzeugt, dass W. vorher einen 17-jährigen Jugendlichen, der ihm zur Betreuung anvertraut worden war, sexuell missbrauchte und vergewaltigte. Diese Taten bestritt der Angeklagte bis zum Schluss.

Die Höhe der geforderten Haftstrafe begründete Staatsanwältin Jessica Hansen unter anderem damit, dass der Angeklagte die Behinderung des Jungen zielgerichtet ausgenutzt und der Missbrauch sich über Monate erstreckt habe. Ein "halbherziges" Teilgeständnis des Angeklagten sei nicht ausreichend, um ein milderes Urteil zu verhängen. Der Angeklagte zeige bis heute keine Reue, sagte Hansen.

Der Verteidiger von Thomas W. gab die von Staatsanwaltschaft und Nebenklagevertretern als erwiesen erachteten Sachverhalte zu. In der rechtlichen Bewertung wich er jedoch von deren Einschätzung ab. Im Ergebnis plädierte er für eine Haftstrafe von bis zu viereinhalb Jahren.