Zu den Stillen gehört Ludwig Thomaschk, 56 Jahre, Christdemokrat aus Bad Muskau und seit Oktober 1990 im Landtag. Ein Mann der ersten Stunde. Am Sonntag feiert Thomaschk allerdings ein seltenes Jubiläum: Seit zehn Jahren hat er kein Wort vor dem Parlament gesprochen.
Ein Blick ins Archiv zeigt seinen letzten Rede-Eintrag am 25. Mai 1993, Seite 4909 der Parlamentsprotokolle. In einem dringlichen Antrag fordert der Abgeordnete, den Sitz für das Landratsamt des Niederschlesischen Oberlausitzkreises in Weißwasser und nicht in Görlitz anzusiedeln und verteidigt den Wunsch in einer kleinen Erklärung, die im Archiv 21 Druckzeilen füllt. Spätere Einträge sind nicht verzeichnet. Im Februar 1998 taucht der Verkehrsmeister dann noch mit einer Kleinen Anfrage auf. Thema: Die Reise von zwei sächsischen Geologen in die Antarktis.

Nie vorgedrängelt
Ansonsten interessiert sich der stille Politiker allerdings eher für Projekte in seiner Heimat, wie den Fürst-Pückler-Park, den er ins Leben gerufen habe, wie er sagt. Herr Thomaschk steht zu seinem großen Schweigen: "Ich habe mich nie vorgedrängelt", sagt er, "wir haben genug gute Redner in der Fraktion." Zu denen zählt sich der Mann nicht. "Ich komme doch aus der Arbeiterschaft." Ohnehin gehe es im Landtag nur um öffentliche Darstellung. Eine Sache, die ihm nicht liegt. "Sie werden mich auch auf Fotos immer in der hinteren Reihe sehen." Thomaschk lässt lieber den 75 anderen CDU-Kollegen den Vortritt, wobei es da noch weitere Namen gibt, die der Öffentlichkeit eher verborgen bleiben.

Chef der Füchse Weißwasser
Statt um große Auftritte kümmere er sich lieber um die Nöte in seinem Wahlkreis, sagt Sachsens dienstältester Finanzpolitiker, der von Beginn an im Haushaltsausschuss sitzt und inzwischen eine Diät von 4284 Euro plus 1800 Euro Unkostenpauschale bezieht. Seine Region habe ihn dreimal direkt gewählt und er habe schon vielen Unternehmen geholfen. Nicht umsonst, sagt Thomaschk stolz, sei er außerdem Präsident des Schützenkreises 14 sowie Vorsitzender beim Eishockeyclub ES Weißwasser.
Beobachter können sich allerdings gut an jene Sitzung Anfang Mai erinnern, als im Sportverein die Fetzen flogen. Es ging schließlich um die Zukunft der arg angeschlagenen Füchse. Doch Thomaschk blieb auch hier in der Deckung, erinnert sich einer, der dabei war. "Er hat dazu kein Wort gesagt." Thomaschk wurde dennoch in einer Kampfabstimmung mit klarer Mehrheit zum Vorsitzenden gewählt.
Irgendwas muss der Mann ja haben.