"Entscheidend war für uns alle, die am Leichhardt-Jubiläum Anteil hatten, etwas ins Rollen zu bringen, das über das Jahr 2013 hinausgeht." Bernd Boschan, Direktor des Amtes Lieberose/Oberspreewald (Dahme-Spreewald), ist mit der vorläufigen Bilanz zufrieden. Auf zahlreichen Feldern haben sich Ansätze ergeben, die über das Jubiläum hinausweisen.

Die Stiftung. Krönender Abschluss der heutigen Leichhardt-Konferenz in Goyatz wird die Geburtsstunde einer Ludwig-Leichhardt-Stiftung sein. Gemeinsam mit dem Innenministerium des Landes Brandenburg, aber auch mit der Unterstützung von Unternehmen sollen über diese Stiftung zukünftige Projekte finanziert werden. Der Lehrstuhl Technikgeschichte der BTU Cottbus-Senftenberg will dabei gerne kooperieren. Es gilt, noch viele Aspekte aus dem facettenreichen und vielschichtigen Leben des Entdeckers, Zoologen, Botanikers und Geologen zu erforschen. Der wissensdurstige Abenteurer und Expeditionsleiter hat unzählige Seiten an Aufzeichnungen hinterlassen, die längst nicht komplett ausgewertet sind.

Die Forschung. Themen wie Mensch und Biodiversität, Klimawandel und Naturschutz, Bergbautechnologie und geologische Erkundungen sollen in deutsch-australischer Zusammenarbeit vertieft werden. Dazu sind Kooperationen der Bundesländer Brandenburg und Queensland sowie der Universität in Potsdam in Vorbereitung. Das Brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur steht bereits hinter künftigen Vereinbarungen zu einer wissenschaftlich-kulturellen Zusammenarbeit, berichtet Bernd Boschan aus Gesprächen in Potsdam. Eingebunden werden könnte auch die geplante Internationale Naturausstellung (INA) auf dem ehemaligen Militärgelände der Lieberoser Heide, die zahlreiche Forschungsansätze bietet.

Die Universität. Für den Lehrstuhl Technikgeschichte der BTU Cottbus-Senftenberg werde das Thema Ludwig Leichhardt "mit Sicherheit Bestand haben", sagt Tim Müller. Der akademische Mitarbeiter zählt nicht nur Lehrveranstaltungen auf, sondern auch die Fortsetzung der Geländepraktika des Lehrstuhls Rohstoff- und Ressourcenwirtschaft im Sawallschen Luch und im Leichhardt-Land. Beim Symposium im Mai geknüpfte Kontakte nach Australien sollen vertieft werden, die Publikation "Ludwig Leichhardt (1813-1848), die Niederlausitz und Australien" ist erschienen.

Die Schülerpartnerschaften. Die Ludwig-Leichhardt-Oberschule in Goyatz bekam im Leichhardt-Jahr bereits Besuch von ihrer Partnerschule Bremer State Highschool in Ipswich, Queensland. Mit Hilfe der Australischen Botschaft und weiterer Partner sollen bald auch für die Grundschule in Tauche bei Trebatsch und für das Ludwig-Leichhardt-Gymnasium in Cottbus Partnerschaften mit australischen Schulen geschlossen werden.

Das Leichhardt-Land. Im Gebiet zwischen Schwielochsee und Cottbus wuchs der junge Ludwig auf. Nahe des Sees geboren, ging er die Strecke nach Cottbus zum Gymnasium häufig zu Fuß. Das Leichhardt-Land hat im Jubiläumsjahr seine Verbindung zum "Runden Tisch Ludwig Leichhardt" in Australien gestärkt und wird mit dem Leichhardt-Zentrum in Taroom/Queensland noch enger zusammenarbeiten. Es soll laut BTU Cottbus zudem bei deutsch-polnischen Projektarbeiten zur Geschichte der Kulturlandschaft Niederlausitz/südliche Lubuskie mehr als bisher berücksichtigt werden. Auch touristische Projekte sollen noch stärker vermarktet werden.

Zum Thema:
Ludwig Leichhardt wurde am 23. Oktober 1813 in Sabrodt bei Trebatsch geboren. Er war das sechste Kind des Torfinspektors Hieronymus Leichhardt. Die Familie lebte vergleichsweise gut vom Gütertransport per Kaffenkahn nach Berlin. Leichhardt besuchte das Gymnasium in Cottbus und studierte später unter anderem Naturgeschichte, Botanik und Physik - wenn auch ohne Abschluss - in Berlin, Göttingen, London und Paris. 1842 kam Leichhardt nach einjähriger Schiffsreise in Australien an. Das Innere des fünften Kontinents war bis dahin kaum erkundet worden. Auf seiner dritten Expedition verschwand der Oberspreewälder spurlos und gilt seither als verschollen.