Er wollte Australien durchqueren, von Ost nach West. Pflanzen wollte er sammeln, die Natur erforschen. Am 5. April 1848 brach der gebürtige Brandenburger Ludwig Leichhardt mit vier Europäern und zwei Aborigines von der Viehstation McPherson nördlich von Brisbane auf. Unterwegs markierte er einige Bäume, an denen er vorüberzog, mit einem eingeritzten, großen "L". Doch irgendwo in der Nähe der Simpsonwüste verliert sich seine Spur. Der Forschungsreisende und seine Begleiter kamen ums Leben, Leichhardts Leiche wurde nie gefunden. Einige Metallteile sind die letzten Spuren, die es von seiner Reisegruppe gibt.

In Australien ist Leichhardt, der am 23. Oktober 1813, also vor 200 Jahren, in Trebatsch (Oder-Spree) am Schwielochsee geboren wurde, bis heute ein Held. Ein Stadtteil von Sydney ist nach ihm benannt, ebenso eine Vorstadt von Brisbane. Denn wenige Jahre vor der verhängnisvollen letzten Expedition, von 1844 bis 1845, hatte er eine erfolgreiche Reise durch den damals noch unerforschten Norden Australiens unternommen, seine Rückkehr in die Zivilisation geriet zum Triumphzug.

"Er ist eine spannende Figur: Der Forscher, der im Busch verschwindet", sagt der Kulturreferent der australischen Botschaft in Berlin, Jörg Müller. "Es ist ja auch schwer zu begreifen, dass von der Expedition nie wieder etwas aufgetaucht ist." Krude Verschwörungstheorien von einer Vergiftung des deutschen Forschers durch die Briten machten später ebenso die Runde wie die eher nüchterne Feststellung, dass die 4000 Kilometer lange Expedition selbst mit bester Ausrüstung ein Himmelfahrtskommando war.

Zum 200. Geburtstag 2013 will nun auch das Land Brandenburg mit einigem Aufwand an den Forschungsreisenden erinnern. Am Montag stellten Müller, Forschungsministerin Sabine Kunst und der Lieberoser Amtsdirektor Bernd Boschan (beide parteilos) einige Höhepunkte der kommenden zwölf Monate vor. "Wir wollen Ludwig Leichhardt in Brandenburg einen Stellenwert vermitteln, den er durch seine wissenschaftliche Arbeit verdient hat", sagte Boschan.

So soll es in diesem Jahr mehrere wissenschaftliche Tagungen zu Leichhardt geben, dazu eine deutsch-australische Briefmarkenausgabe und eine australische Sondermünze, die in Berlin der Öffentlichkeit präsentiert werden soll. Am 28. Januar will die australische Botschaft in Berlin ihre Feierlichkeiten zum australischen Nationalfeiertag ganz im Zeichen Ludwig Leichhardts durchführen, und am 19. Februar wird es einen von der deutsch-pazifischen Parlamentariergruppe organisierten Festakt im Deutschen Bundestag geben.

Die Kirchengemeinde Zaue will einen Gedenkgottesdienst veranstalten, und am 4. Mai eröffnet im Schloss Branitz bei Cottbus eine große Jubiläumsausstellung zu Leichhardt. Sie präsentiert auch Forschungsergebnisse der Potsdamer Juniorprofessorin Anja Schwarz: "Im 19. Jahrhundert sind jede Menge Auswanderer nach Australien gereist - wir wollen herausfinden, warum die australischen Kolonien so eine Anziehungskraft ausübten", so Schwarz. "Und wir wollen wissen, was mit dem Erbe Leichhardts passierte." 1957 etwa erschien ein auf dem Leben des Forschers basierender Roman, "Voss" von Patrick White, und in der Zeit des Nationalsozialismus erhielt der Ort Trebatsch statt seines sorbischen Namens den Namen Leichhardt. "Für Brandenburg ist die Person Ludwig Leichhardts eine beeindruckende Verbindung zum fünften Kontinent", sagt Forschungsministerin Sabine Kunst. Und das Ludwig-Leichhardt-Jahr 2013 kann dazu beitragen, dass das auch über eingeweihte Expertenkreise hinaus deutlich wird.

Zum Thema:
Der Australienforscher Ludwig Leichhardt wurde am 23. Oktober 1813 im brandenburgischen Ort Trebatsch (Oder-Spree) geboren. Schon in seiner Jugend bewegte er sich viel in der freien Natur. Er lernte am Gymnasium in Cottbus. Er studierte in Berlin und Göttingen Anthropologie, Geologie, Botanik, Pflanzengeografie und Astronomie. Mit 24 Jahren verließ er Deutschland und lebte zunächst in England und Frankreich. Später reiste er durch ganz Europa. Australien wählte er dann als Forschungsziel. Auf einem englischen Segler trat er die Überfahrt an und traf im Januar 1842 in Sydney ein. Als Erster durchquerte er 1844/45 den Kontinent: 5000 Kilometer zu Fuß. In seinen Aufzeichnungen hielt er auch Lagerstätten von Bodenschätzen fest. Seit seiner dritten Expedition 1848 gilt er als verschollen. Seine Leiche wurde nie gefunden. Wegen seiner Verdienste um die Erforschung des Kontinents tragen Straßen, Berge, Flüsse, Tiere und Pflanzen seinen Namen. dpa