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| 11:41 Uhr

Loveparade-Gründer erwartet lückenlose Aufklärung
Loveparade-Strafprozess hat begonnen

Aktenordner der Nebenkläger stehen am 08.12.2017 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) im Prozesssaal beim Auftakt des Loveparade-Strafprozesses. Das Landgericht Duisburg hat auf dem Gelände der Messe Düsseldorf einen Saal im Kongresszentrum gemietet. Bis Ende 2018 sind zunächst 111 Verhandlungstage eingeplant. Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg waren in einem Gedränge 21 Menschen erdrückt und mehr als 650 verletzt worden.
Aktenordner der Nebenkläger stehen am 08.12.2017 in Düsseldorf (Nordrhein-Westfalen) im Prozesssaal beim Auftakt des Loveparade-Strafprozesses. Das Landgericht Duisburg hat auf dem Gelände der Messe Düsseldorf einen Saal im Kongresszentrum gemietet. Bis Ende 2018 sind zunächst 111 Verhandlungstage eingeplant. Bei der Loveparade am 24. Juli 2010 in Duisburg waren in einem Gedränge 21 Menschen erdrückt und mehr als 650 verletzt worden. FOTO: Ina Fassbender / Pool
Düsseldorf. Der Loveparade-Prozess dürfte einer der umfangreichsten Strafprozesse der Nachkriegszeit werden. Dem Gericht sitzt dabei die Zeit im Nacken: In gut zweieinhalb Jahren verjähren die Vorwürfe. Loveparade-Gründer Dr. Motte erwartet eine „lückenlose Aufklärung“. dpa

Gut sieben Jahre nach dem Loveparade-Unglück in Duisburg mit 21 Toten hat in Düsseldorf ein Strafprozess gegen zehn Beteiligte begonnen. Der erste Prozesstag startete mit etwa 30 Minuten Verspätung. Ein Sprecher des Duisburger Landgerichts nannte dafür „organisatorische Gründe“. Angeklagt sind sechs Mitarbeiter der Stadt Duisburg und vier des Veranstalters Lopavent. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen fahrlässige Tötung und fahrlässige Körperverletzung vor.

Bei dem Unglück am 24. Juli 2010 waren in einem Gedränge am einzigen Zu- und Abgang der Technoparade 21 Menschen im Alter von 17 bis 38 Jahren erdrückt worden. Mindestens 652 wurden verletzt, viele von ihnen schwer.

Das Landgericht Duisburg hat die Hauptverhandlung aus Platzgründen in eine Kongresshalle nach Düsseldorf verlegt. Rund 500 Menschen finden darin Platz. Die Angeklagten werden von 32 Juristen verteidigt. Der Anklage haben sich 65 Nebenkläger angeschlossen. Sie werden von weiteren 38 Anwälten vertreten. 45 besucher hatten sich am Freitag zu Beginn im Saal eingefunden, das Gericht hatte mit einem wesentlich größeren Andrang gerechnet. Insgesamt 234 Plätze sind für Besucher reserviert. Ein vierköpfiges Notfallseelsorge-Team stand am ersten Tag als Beistand für Angehörige, Traumatisierte und Besucher bereit.

Die Anklageschrift umfasst 556 Seiten. Die Staatsanwaltschaft Duisburg spricht darin von schwerwiegenden Fehlern bei Planung und Genehmigung. Auch seien Sicherheitsauflagen nicht überwacht worden. Im Prozess verlesen werden sollen aber nur 23 Seiten. Nach den Worten von Gerichtssprecher Matthias Breidenstein war zunächt unklar, ob die Anklage am ersten Tag verlesen werden kann: „Ob das heute der Fall sein kann, bleibt abzuwarten, da möglicherweise mit Anträgen der Verteidigung zu rechnen ist, die das verhindern könnten.“

Das Verfahren steht unter Zeitdruck: Ende Juli 2020 verjähren die Vorwürfe. Der große Umfang des Verfahrens spiegelt sich auch in der Menge der Akten wider: Die sogenannte Hauptakte, die beim Prozess in Griffweite der Richter steht, umfasst derzeit 117 Bände mit 53 500 Seiten. Hinzu kommen rund 1000 Ordner mit Beweismitteln und weiteren Unterlagen sowie rund 1000 Stunden Videomaterial mit den Aufnahmen von Überwachungskameras und Handys.

Nicht angeklagt sind der später abgewählte Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) sowie der Fitnessstudio-Unternehmer Rainer Schaller („McFit“), der einige Jahre vor dem Unglück über sein Tochterunternehmen Lopavent die Rechte an der Loveparade erworben hatte. Beide sollen im Verlauf des Prozesses als Zeugen aussagen.

Der Gründer der Loveparade, der Musiker Dr. Motte, erwartet vom Loveparade-Strafprozess eine „lückenlose Aufklärung“ des Unglücks. „Das ist das, was die Eltern wollen, und das ist das Wichtigste“, sagte der 57-Jährige, der mit bürgerlichem Namen Matthias Roeingh heißt, der Deutschen Presse-Agentur. Es sei gut, dass der Prozess jetzt beginne und die lange Wartezeit vorbei sei. Es sei allerdings ein Problem, dass im Juli 2020 die Vorwürfe verjährten. „Deshalb gibt es jetzt Riesendruck.“