| 02:43 Uhr

Love you Goethe – die Dichter-Sprache ist manchem plötzlich elitär

Die Bundesregierung drängt darauf, dass Indien das Erlernen der deutschen Sprache nicht behindert. Beim Besuch des indischen Premierministers Narendra Modi war auch das Thema.
Die Bundesregierung drängt darauf, dass Indien das Erlernen der deutschen Sprache nicht behindert. Beim Besuch des indischen Premierministers Narendra Modi war auch das Thema. FOTO: dpa
Berlin. Weltweit rangiert Deutsch als Fremdsprache abgeschlagen hinter Englisch, Spanisch und Französisch. Aber nach kontinuierlichem Rückgang bis 2010 hat die Sprache Goethes in den vergangenen Jahren wieder Zulauf erfahren. Werner Kolhoff

15,4 Millionen Schüler und Studenten lernen sie derzeit im Ausland, rund 570 000 mehr als noch vor fünf Jahren. Zumeist als Zwei- oder Drittsprache.

Die Polen sind mit Abstand am stärksten interessiert - in Frankreich und Indien hingegen gibt es neuerdings politische Schwierigkeiten.

2,28 Millionen Schüler und Studenten pauken östlich der Oder Deutsch, mehr als irgendwo sonst. Das ergab die am Dienstag präsentierte Erhebung des Auswärtigen Amtes, die alle fünf Jahre erstellt wird. Hinter Polen rangieren Großbritannien und Russland mit je 1,5 Millionen auf den folgenden Plätzen, ehe dann mit knapp mehr als einer Million Deutschschülern das Nachbarland Frankreich folgt.

Ausgerechnet Paris aber will nun den Deutschunterricht im Zuge einer Schulreform drastisch beschränken. Er sei ebenso wie Latein oder Altgriechisch "elitär", befand Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem, weshalb das Angebot an den Mittelschulen ("colleges") radikal gekürzt werden soll. Das Thema war Ende März schon Gegenstand beim deutsch-französischen Gipfel.

Staatsministerin Maria Böhmer (CDU) appellierte am Dienstag noch einmal direkt an Präsident Hollande: "Die deutsch-französische Partnerschaft braucht mehr Deutsch und nicht weniger." Inzwischen haben sich 60 Abgeordnete der Nationalversammlung dem Protest der Deutschlehrer angeschlossen. Noch ist die Sache nicht entschieden.

Allerdings könnte Paris darauf verweisen, dass das Französische in Deutschland auch nicht gerade im Aufwind ist: Nur noch 26,3 Prozent der Schüler eigneten es sich 2012 an, ein Minus von vier Prozentpunkten gegenüber 2005. Spanisch macht sich auch hierzulande daran, die Sprache Voltaires zu überholen.

Politische Probleme gibt es ebenfalls mit Indien, wo die neue Regierung ankündigte, ein Abkommen mit der Bundesregierung über das Projekt "Deutsch in 1000 Schulen" wieder zu kündigen. Damit sollten 115 000 indische Schulkinder in den Deutschunterricht gelockt werden.

Nationalistische Kräfte fordern jedoch, wieder mehr das traditionelle Sanskrit zu lehren statt Fremdsprachen. Beim Staatsbesuch von Präsident Modi vergangene Woche in Berlin sprach Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) das Thema an; Ausgang ebenfalls offen.

Die Verbreitung der deutschen Sprache erfährt in Berlin also intensive politische Unterstützung; gleich vier Institutionen kümmern sich: das Goethe-Institut, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Zentralstelle für die Auslandsschulen und die Kultusministerkonferenz. Offenbar mit einigem Erfolg. In 60 Prozent der Länder gab es Zuwächse.

Viele junge Menschen aus den wachsenden Mittelschichten träumen davon, entweder einmal in Deutschland zu arbeiten oder zu studieren oder für eine deutsche Firma tätig zu sein. Besonders stark waren die Zuwächse in Indonesien, Ägypten, Bosnien und der Türkei. Fast alle südamerikanischen Staaten sind ebenfalls im Plus. Und in den Euro-Krisenländern Griechenland und Spanien boomt das Deutsche regelrecht - wegen möglicher Arbeitschancen.

Die Rückgänge in den ehemaligen Sowjetstaaten, auch im Baltikum, führt das Auswärtige Amt nicht auf politische Gründe, etwa die Ukraine-Krise oder Desinteresse zurück. Ursache hier seien vielmehr Schulreformen mit der Stärkung eigener regionaler Sprachen sowie der Geburtenrückgang, hieß es. Mehr als 117 000 chinesische Schüler lernen übrigens ebenfalls Deutsch. Allerdings sind das bei insgesamt 220 Millionen Schülern trotzdem nur 0,04 Prozent.