Sönke Wortmanns WM-Film "Deutschland. Ein Sommermärchen" wurde erstmals außerhalb Deutschlands aufgeführt und der 37 Jahre alte Keeper war mit dem deutschen Botschafter Wolfgang Ischinger der Gastgeber.
"Es ist mir fast etwas unangenehm, da ich von Haus aus ein schüchterner Typ bin", meinte Lehmann angesichts der immer wieder aufkommenden Sprechchöre vier Monate nach der Weltmeisterschaft. "Dass die Leute noch immer so begeistert sind, ist schön, aber fast zu viel der Ehre." 700 Zuschauer vergaßen, dass es draußen kalt und dunkel war und verwandelten das "Chelsea Cinema" in eine deutsche Fan-Meile.

Eine andere Perspektive
"Es ist eine Fortsetzung dessen, was wir von Deutschland im Sommer sahen - nur diesmal aus einer anderen Perspektive, von innen", sagte der Engländer Ariel Pintor, der von seiner deutschen Freundin ins Kino mitgenommen worden war. "Wenn bei unserer englischen Nationalmannschaft Kameras in der Kabine erlaubt wären, ich glaube nicht, dass wir dort auch so viel Freundschaft und Teamgeist sehen würden."
Auch der Franzose Charles Lecoint war angetan vom "neuen Deutschland": "Obwohl es nicht meine Nationalmannschaft ist, fand ich den Film sehr bewegend, sehr gut. Zu sehen, wie Millionen Menschen begeistert sind, zusammenhalten, stolz darauf sind, Deutsche zu sein - diese WM war eine gute Sache für Deutschland."

Zwei Stunden mitgelitten
Doch überwiegend waren es in London lebende Deutsche, die sich die einmalige Chance, den WM-Film im Kino zu sehen, nicht entgehen lassen wollten. Sie waren im Nationaltrikot gekommen, jubelten und litten während der zweistündigen Aufführung mit. Sie freuten sich über Lehmanns gehaltene Elfmeter gegen Argentinien, als hätten sie vorher nicht gewusst, wie's ausgeht. Beim 1:0 der Italiener im Halbfinale rief ein Kinobesucher: "Jens, den konntest Du nicht halten."
"Ich war bewegt und überrascht über die unglaubliche Stimmung", sagte Botschafter Ischinger. Vergessen waren die juristischen Schwierigkeiten im Vorfeld, als einige Nationalspieler die Auslandsrechte geklärt wissen wollten, ehe sie doch noch ihre Zustimmung zur Aufführung gaben. "Das hat sich mit Sicherheit gelohnt, hier in England den Versuch zu machen, ein freundliches, heiteres, lockeres Deutschlandbild zu zeigen", glaubte Ischinger.
Ein Eindruck, den auch Lehmann bestätigte: "Ich arbeite ja mit vielen Engländern zusammen und die sagen unisono, dass sie seit der WM ein komplett anderes Bild von Deutschland haben."