Es fahren kaum S-Bahnen, also sind in Berlin die Sitzplätze in den Bussen und U-Bahnen rar. Wer zu Beginn der Herbstferien mit dem Zug verreisen will, muss umplanen. Besonders hart trifft der Lokführerstreik bei der Deutschen Bahn diejenigen, die nichts davon wissen. Busunternehmen wiederum freuen sich über besonders viele Buchungen. Und Taxis legen auch mal ungewöhnlich lange Strecken zurück.

Draußen vor dem Berliner Hauptbahnhof macht sich am Samstagmorgen ein Taxifahrer auf den Weg zurück nach Dresden. Von dort habe er Passagiere nach Berlin gebracht, deren Zug ausgefallen war, erzählt er. Drinnen an den Gleisen ist es für ein Wochenende ruhig. An den Infoständen dagegen bilden sich Schlangen - Menschen wissen nicht, wie sie von A nach B kommen sollen. Vier Freundinnen aus dem thüringischen Meiningen stehen an, weil ihre Rückfahrt ausgefallen ist. "Eigentlich wollten wir uns ein schönes Wochenende machen", sagt Angelika. "Jetzt müssen wir mal sehen, ob wir wieder nach Hause kommen."

Zusätzliche Bahn-Mitarbeiter stehen in den Eingangsbereichen, geben Auskunft und schenken Tee aus. Bahn-Mitarbeiter Tobias Sohn versucht, einem Mann, der weder Deutsch noch Englisch spricht, mit Händen und Füßen die nächstmögliche Verbindung nach Dresden zu erklären. Zahlen werden aufgeschrieben, umkreist oder durchgestrichen. "Ich weiß nicht, ob das Französisch oder Dänisch war", sagt Sohn hinterher.

Young-Hoon Shin aus Südkorea wiederum hat für Sonntag einen Zug nach Warschau gebucht, der nun ausfällt. Er hat sich beraten lassen - nun ist er irritiert und glaubt jetzt, dass er kostenlos mit dem Bus fahren kann.

Damit ist er nicht allein, wie am Schalter der Fernbusgesellschaft Berlin Linien Bus am Berliner Busbahnhof in Charlottenburg zu erfahren ist. Man habe bereits gehört, dass solche Gerüchte kursieren. Absprachen mit der Bahn gebe es aber nicht.

"Uns geht es gut", heißt es an einem anderen Ticket-Schalter. Die Fernbusunternehmen profitieren von den Problemen der Bahn. Bei "MeinFernbus" haben sich die Buchungszahlen nach Bekanntgabe des Streiks verdreifacht, erzählt ein Sprecher am Sonntag. Beim Konkurrenten "Flixbus" verzehnfachten sich nach Angaben einer Sprecherin die Zugriffszahlen auf den Online-Shop. "Der hat das nicht ganz gepackt", sagt sie.

Das könnte man auch über die fünf dänischen Jugendlichen sagen, die auf ihren Rucksäcken sitzen und sich verzweifelt beraten. Nach einem Berlin-Urlaub wollten sie am Samstag mit dem Bus zurück nach Kopenhagen fahren - wussten aber nicht, dass die S-Bahnen nicht fahren und verpassten so ihren Bus. Alle weiteren Busse seien ausgebucht, Flüge könnten sie sich nicht leisten, sagen sie. In Dänemark gehen die Herbstferien zu Ende, die fünf Freunde müssen am heutigen Montag wieder zur Schule. Nun harren sie am Berliner Busbahnhof aus und hoffen, dass in einem der späteren Busse kurzfristig Plätze frei werden.

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Nach den Bahn-Reisenden müssen sich zum Wochenbeginn auch wieder die Lufthansa-Passagiere auf Ausfälle und Behinderungen einstellen. Die Gewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC) kündigte einen 35-stündigen Pilotenstreik bei Europas größter Airline an. Er soll vom heutigen Montag, 13 Uhr, bis Dienstagabend um kurz vor Mitternacht dauern. Betroffen seien Kurz- und Mittelstreckenflüge aus Deutschland, teilte Gewerkschaftssprecher Markus Wahl in Frankfurt mit. In dem Tarifkonflikt geht es um die Übergangsversorgung. Die Lufthansa will, dass ihre Piloten später als bisher in den bezahlten Vorruhestand gehen - die Gewerkschaft wehrt sich dagegen. Das Unternehmen habe nach nunmehr sieben Streiks seit April die Kompromissvorschläge nicht aufgegriffen, kritisierte die Gewerkschaft. Ziel des Ausstands sei ein neuer Tarifvertrag für alle Beschäftigten des Cockpit-Personals.