Nachdem nochmals ein Versuch gescheitert war, zumindest in die Nähe einer Tarifeinigung zu kommen, folgte am Montag nicht etwa der erwartete Streikaufruf. Nein - die GDL ließ die Deutsche Bahn erst einmal zappeln. Über weitere Arbeitskämpfe werde man "rechtzeitig informieren", hieß es lediglich. Damit ließen die Lokführer zwar kaum einen Zweifel, dass wieder gestreikt wird - nur wann, sagten sie eben nicht.

Es wäre der sechste Streik im aktuellen Konflikt. Angeblich soll es Überlegungen geben, dieses Mal aufzustocken - von 61 Stunden, die der Streik Mitte Oktober gedauert hatte, auf 91 Stunden, also fast vier ganze Tage.

Die Deutsche Bahn reagierte genervt. Die GDL lasse "Millionen Bahnkunden in Deutschland weiterhin im Ungewissen", mache sie zu ihrem Spielball. Erst habe sie am Sonntagabend "aus unbegreiflichen Gründen" die Verhandlungen kurz vor dem Durchbruch platzen lassen. Jetzt verweigere die GDL-Spitze "jede Aussage, wie es weitergeht".

Die Bahn sprach wie schon bei früherer Gelegenheit davon, sehr nah an einer Verständigung mit der GDL gewesen zu sein. Die habe aber eine überraschende Kehrtwende vollzogen. Der vorgeschlagene Tarifvertrag hätte der GDL ermöglicht, wie gewünscht auch für Zugbegleiter einen eigenständigen Tarifvertrag zu bekommen.

GDL-Chef Claus Weselsky interpretierte den von der Bahn vorgelegten Entwurf ganz anders. Unterm Strich habe eben doch die rivalisierende Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) das Sagen. Es bleibe dabei: Die Bahn wolle einem Teil der GDL-Mitglieder das Recht nehmen zu streiken - eben jenen Beschäftigten, die keine Lokführer sind.