Von Jenny Theiler

Lange halten sie nicht an – die guten Neujahrsvorsätze, die man beim Klimpern der Sektgläser am Silvesterabend hochmotiviert gefasst hat. Zu den Klassikern der Veränderungswünsche gehören das Abnehmen oder die Verbesserung der allgemeinen Fitness. Auch in Cottbus haben bereits in der ersten Januarwoche viele Lausitzer die hiesigen Fitnessstudios gestürmt. So auch das Fitnessloft in Sandow. „Viele Leute betrachten den Jahresanfang als einen Neustart. Sie haben aber oftmals eine völlig falsche Vorstellungen dessen, was man innerhalb einer bestimmten Zeit erreichen kann“, sagt Clubmanager Oliver Brunsch.

Ungeduld ist kein guter Trainingspartner. „Einige Studiobesucher nehmen sich zu Beginn des Jahres vor, bis zu fünf mal ins Fitnesstudio zu gehen und merken dann aber, dass das mit dem Alltag kaum vereinbar ist“, sagt der Fitnesstrainer. Das ist auch der Grund dafür, dass der Ehrgeiz schnell wieder schwindet und die meisten Neujahrsvorsätze Mitte März schon wieder vergessen sind.

Dieser Effekt ist allerdings nicht ungewöhnlich, weiß auch Sportpsychologe Vincent Rödel. „Wer fitter werden möchte, versucht in erster Linie ein festgefahrenes Verhaltensmuster zu verändern – und das dauert natürlich“, sagt er. Vergleichbar sei dieser Prozess mit einem Softwareupdate bei einem Computer: „Das dauert auch länger und ist nur dann erfolgreich, wenn man es bis zum Schluss durchhält“, so der Sportpsychologe. Entscheidend sei, dass man sich seiner Verhaltensweisen erst einmal bewusst werde. Menschliches Verhalten wird im Laufe des Lebens erlernt und sorgt für eine gewisse Kontinuität im Leben. Der Kopf sagt beispielsweise: ‚Die Couch ist bequemer als der anstrengende Sport, dann lasse ich den Sport doch lieber sein’.

Die Couch steht für die eigene Komforzone, die zu verlassen, der schwerste Schritt der Veränderung ist. „Die Entscheidung lieber auf der metaphorischen Couch zu bleiben, ist ein Verhaltensmuster, das ebenfalls erlernt wurde. Die Bewegung muss einfach nur dazu gelernt werden“, sagt Vincent Rödel. Dabei sei es wichtig auch dosieren zu lernen. Denn wenn man das Training sofort übertreibt, seien die ersten Erfahrungen des Veränderungsprozesses negativ. Das beeinträchtigt dann die weitere Motivation.

Deswegen ist ein langsamer Start und das Stecken kleinerer Ziele ein wichtiger Schritt, der an ein Verantwortungsbewusstsein gegenüber der eigenen Gesundheit geknüpft ist. „Für jede Weiterentwicklung muss ein Mensch sich regelmäßig vergegenwärtigen, was ihm gut tut und was nicht“, sagt Vincent Rödel. „Ich denke nicht, dass Sport per se immer gut ist. Jeder Mensch muss seine eigene Sportart finden und sollte sich dabei nicht mit anderen vergleichen.“ Auf diese Art könne man auch das verhasste Schulsportsyndrom loswerden.

Wer seine Verhaltensweisen kennt, muss auch ihn anerkennen – den berühmt berüchtigten inneren Schweinehund. Auch wenn die Metapher für Willensschwäche eher negativ besetzt ist, hat der innere Schweinehund auch seine Daseinsberechtigung. So bewahrt er uns vor Überanstrengung und erinnert an notwendige Pausen. Deswegen sollte man nicht gegen ihn, sondern viel mehr mit ihm zusammenarbeiten. „Der innere Schweinehund wird immer da sein. Er ist kein Feind, sondern viel mehr ein Partner. Wer das begreift, tut den ersten Schritt aus der Komfortzone heraus“, sagt Vincent Rödel. Die Kunst bestünde lediglich darin, ihm nicht mehr Aufmerksamkeit als nötig zu schenken. So wie auch ein realer Hund, muss er Grenzen akzeptieren.

Leitsätze wie ‚Du darfst gern zugucken, aber lass mich beim Training bitte in Ruhe’, sollen die Auseinandersetzung mit den eigenen Schwächen vergegenständlichen und gleichzeitig zeigen, dass sie auch überwunden werden können. Die Willenskraft wächst, wenn kleine Ziele dann erreicht werden. Das hat zur Folge, dass auch äußere Einflüsse, die Motivation nicht mehr so stark beeinflussen. „Es heißt beispielsweise unter den Sommersportlern, dass die Champions im Winter gemacht werden“, sagt Vincent Rödel. Die Willensstärke, die uns irgendwann dazu treibt auch im Januar auf das Fahrrad zu steigen, ist das Ergebnbis eines gesunden Trainings mit dem inneren Schweinehund als Trainingspartner.

Positive Erfahrungen mit Bewegung sind der Schlüssel zur Ausgeglichenheit. Deswegen hält der Sportpsychologe Sportler, die er betreut, dazu an, jeden Abend die positiven Erlebnisse des Tages aufzuschreiben. ‚Was hat mir heute gut getan und wie kann ich das in den morgigen Tag einbauen?’

Mit diesen Fragen motivieren sich nicht nur Cottbuser Sportler bei ihrem Fitnesstraining – dieses ­Modell ist für alle Menschen gleichermaßen nützlich.