Nach dem 3:1-Sieg im Test-Länderspiel gegen die hochgelobten Rumänen pries Löw erneut seine Mannschaft. „Das war imponierend, mit welcher Energie wir die Rumänen niedergefightet haben“, sagte der 47-Jährige und hätte sich für seine richtigen Entscheidungen eigentlich selbst beglückwünschen müssen. Trotz weiter größter Personalsorgen steuert die DFB-Auswahl nach dem Sieg von Köln unbeirrt auf der Erfolgswelle Richtung Europameisterschaft 2008 in Österreich und der Schweiz.

Wie ein kleines Sahnehäubchen kam zu später Stunde auch noch die Kunde vom 1:0-Sieg der Tschechen über Irland, wodurch dem dreimaligen Europameister im nächsten Spiel am 13. Oktober in Dublin schon ein Remis gegen die Iren für das EM-Ticket reicht. „Die Qualifikation ist durch“, kommentierte Abwehrrecke Christoph Metzelder. Mit der praktisch gebuchten EM-Fahrkarte im Rücken blickte Löw sogar schon perspektivisch weit voraus und mahnte auch: „Wir sind noch lange nicht auf der Überholspur. Wir müssen langfristig die Spieler ausbilden. Wir müssen über die nächsten zehn Jahre jedes Jahr vier, fünf Spieler haben, die vehement nachdrängen. Ich denke, dass wir das weiterhin optimieren müssen“, forderte der Bundestrainer.

Gegen die zuvor in 14 Spielen unbesiegten Rumänen konnte Löw aber befriedigt feststellen, dass sein zweiter Anzug nach den Erfolgen in England (2:1) und Wales (2:0) auch die dritte Reifeprüfung innerhalb von drei Wochen trotz einiger Anlaufschwierigkeiten bestand. „In der zweiten Halbzeit war die Moral hervorragend, und wir hatten den Mut, rauszugehen, das Spiel noch zu drehen und noch eine Schippe draufzulegen“, sagte Löw. Metzelder blickte nach dem fünften Sieg hintereinander optimistisch nach vorne: „Wir sind in der Breite so gut aufgestellt, dass wir eine sehr gute Mannschaft nach Österreich und in die Schweiz schicken werden. Wir haben jetzt einen Fundus von 35 Spielern, auf die der Bundestrainer zurückgreifen kann“, sagte der Neu-Madrilene.

Zum wiederholten Male hatte Löw in Abwesenheit zahlreicher verletzter (Ballack, Frings, Lehmann) beziehungsweise wegen kommender Club-Aufgaben geschonter Spieler (Klose, Kuranyi, Mertesacker) das Näschen für die richtigen Personalentscheidungen. Nach bescheidener erster Spielhälfte mit dem frühen Gegentor von Dorin Goian (3.) und ersten Pfiffen vor dem Ausgleich von Bernd Schneider („Ich habe schon sehr viel mit Köpfchen gemacht, doch ein Kopfballtor noch nie“) in der 42. Minute zog der Bundestrainer sein Konzept unbeirrt durch und brachte im zweiten Abschnitt weitere Akteure, die in Bestbesetzung kaum Chancen auf längere Einsatzzeiten gehabt hätten.

Der eingewechselte David Odonkor, in Wembley der Schwachpunkt, dankte es mit seinem ersten Länderspieltor. „Ich habe in England so schlecht gespielt und war sehr traurig. Ich bin froh, dass ich heute mein Tor beisteuern konnte“, sagte der Wahl-Spanier über den wichtigen Treffer zum 2:1. „Sein“ Tor erzielte auch Lukas Podolski. 82 Minuten schuftete der kölsche Jung in seinem „Wohnzimmer“ und wurde mit dem ersten Länderspieltreffer seit elf Monaten zum 3:1- Endstand doch noch belohnt. „Ich hatte mir einfach vorgenommen, mein Tor in meinem Stadion zu machen. Ich denke, ich habe das Vertrauen des Trainers zurückgezahlt. Jetzt kann ich stolz nach München zurückkehren“, sagte Podolski.

Auch Timo Hildebrand zahlte Löw das Vertrauen zurück. Mit seinem wohl besten Länderspielauftritt verhinderte er die Verschärfung der längst aufkommenden Torwart-Diskussion und verteidigte seine Position als erster Vertreter des verletzten Jens Lehmann. „Auf Zypern habe ich ein schlechtes Spiel gemacht und heute ein gutes“, beschrieb der auch beim FC Valencia um einen Stammplatz kämpfende Schlussmann den Unterschied zwischen seinen letzten beiden Auftritten im DFB-Trikot. Wie seine Kollegen konnte der 28-Jährige mit breiter Brust und Selbstvertrauen nach Hause reisen. „Ich werde morgen dem Trainer in Valencia sagen, dass ich gespielt habe, und dass ich gut gespielt habe.“