Die Trainings-Verletzung von Lahm warf die Planungen von Tüftler Joachim Löw im ohnehin dezimierten Mittelfeld erneut über den Haufen. Der Bundestrainer fordert trotzdem im Duell mit den kampfstarken Walisern am Samstagabend (20.30 Uhr/ZDF) in Cardiff den nächsten mutigen Auftritt seiner Mannschaft. Im Millennium Stadion soll auch ohne die Mittelfeldstrategen Michael Ballack, Torsten Frings und Bernd Schneider forsch die Offensive gesucht werden.

„Wir haben sehr positive Spiele gemacht, obwohl wir Ausfälle hatten. Das spricht dafür, dass sich die Mannschaft entwickelt hat“, sagte Löw. Mit Bastian Schweinsteiger als Aushilfs-Chef im Mittelfeld sowie Rückkehrer Miroslav Klose als Ersatz-Kapitän und Sturmführer erwartet der DFB-Coach von seinem in der Qualifikationsgruppe D noch ungeschlagenen Team die Fortsetzung der schon beim 2:1-Prestigeerfolg in England vor gut zwei Wochen gezeigten aggressiven Mentalität und eines intelligentes Zweikampfverhaltens.

Auch wenn der Platz von Lahm an Bord der Chartermaschine LH 5010 am Freitagmorgen frei blieb, war der Optimismus nach der Landung im sommerlichen Cardiff ungebrochen. DFB-Präsident und Delegationsleiter Theo Zwanziger, der erst am Spieltag einfliegt, sprach der Mannschaft Mut zu: „Unser Flaggschiff wird weiter fahren und auch diese Hürde nehmen. Der große Sieg in Wembley gegen England hat Selbstvertrauen gegeben und gezeigt, dass wir überall bestehen können“, sagte er.

Durch einen weiteren Sieg könnte die personell arg dezimierte DFB-Auswahl praktisch schon das Ticket für die EM-Endrunde in Österreich und der Schweiz lösen. Mit 19 Punkten rangiert der WM-Dritte klar vor Tschechien (14 Punkte) und Irland (13). Wales ist mit sieben Zählern noch hinter der Slowakei (9) schon hoffnungslos abgeschlagen. „Es würde mich freuen, wenn nach dem Spiel rechnerisch fast alles in trockenen Tüchern ist“, sagte Zwanziger.

Löws ohnehin schon schwieriges Personalpuzzle wurde durch Lahms Verletzung zusätzlich verkompliziert. Der Bayern-Profi reiste wegen seiner am Vorabend beim Training in Köln erlittenen Innenbanddehnung am linken Knie, die ihn zu einer mehrwöchigen Pause zwingt, nach München statt nach Cardiff und stürzte den Bundestrainer in noch größere Sorgen. „Philipps Verletzung war für uns alle ein kleiner Schock“, verriet Abwehrkollege Christoph Metzelder in Cardiff. Bangemachen gilt trotzdem nicht: „Wir haben ein festes System, sind personell sehr gut aufgestellt. Ich mache mir wenig Sorgen“, sagte Metzelder.

Der etatmäßige Außenverteidiger Lahm war wie schon beim 2:1 in England als Aushilfs-Sechser für den verletzten Frings eingeplant, wie Teammanager Oliver Bierhoff berichtete. „Für die Trainer ist das ärgerlich“, betonte Bierhoff. Als Alternativen nannte er namentlich den Hamburger Piotr Trochowski und den physisch stärkeren Simon Rolfes. Da Bierhoff von den Walisern vor allem „großen körperlichen Widerstand“ erwartet, könnte das für den Leverkusener Rolfes sprechen. Das Abschlusstraining in Cardiff, bei dem der zuletzt verletzte Marcell Jansen noch einen Härtetest absolvieren musste, war Löws einzige Übungseinheit, um die veränderte 4-4-2-Besetzung sich einspielen zu lassen.

Immerhin im Angriff bietet sich Löw mit Kapitän Klose und Kuranyi das derzeit wohl bestmögliche Duo. Wenn Gomez ausfallen sollte, könnte Lukas Podolski nach seiner langwierigen Knieverletzung die Alternative als Joker sein. Auch in der Abwehrzentrale kann der Bundestrainer mit seinem Pärchen Mertesacker/Metzelder auf bewährte Kräfte bauen. Metzelder fürchtet bei Wales höchstens den neuen Kapitän Craig Bellamy von West Ham United. „Er ist der gefährlichste Spieler.“