Nach dem überraschenden Rücktritt von Linke-Parteichefin Gesine Lötzsch wegen der schweren Erkrankung ihres Mannes wird der Ruf nach einem Comeback von Oskar Lafontaine immer lauter. Kurz vor den wichtigen Landtagswahlen in Schleswig-Holstein und Nordrhein-Westfalen im Mai werden aber auch Vize-Fraktionschef Dietmar Bartsch und die stellvertretende Parteivorsitzende Sahra Wagenknecht als neues Führungsduo gehandelt. Die Entscheidung soll wie geplant auf dem Bundesparteitag Anfang Juni in Göttingen fallen. Bis dahin führt Co-Parteichef Klaus Ernst die Linke alleine.

Lötzsch erklärte am späten Dienstagabend, ihre familiäre Situation lasse eine häufige Abwesenheit von ihrem Wohnort Berlin nicht mehr zu. Bundestagsabgeordnete wolle sie aber bleiben. Am gestrigen Mittwoch ergänzte sie, ihr Mann sei "altersbedingt erkrankt" und musste am 31. März in die Notaufnahme eines Berliner Krankenhauses gebracht werden. Sie habe deshalb bereits mehrere Wahlkampftermine in Schleswig-Holstein abgesagt. Lötzsch führt die Linke seit Mai 2010 zusammen mit Ernst. Dieser bedauerte den Rücktritt. "Wir haben in einer schwierigen Zeit vertrauensvoll und mit gegenseitigem Respekt zusammengearbeitet. Dafür danke ich ihr", erklärte er.

Noch im Herbst hatte Lötzsch angekündigt, wieder für den Parteivorsitz kandidieren zu wollen. Welche Frau nun ihren Posten übernehmen wird, ist offen. Laut Satzung muss der Parteispitze eine Frau angehören. Thüringens Linke-Fraktionschef Bodo Ramelow setzt auf Sahra Wagenknecht. "Die Idealkombination für den Parteivorsitz wäre für mich Wagenknecht und Dietmar Bartsch", sagte er. Ähnlich äußerte sich Sachsens Linke-Chef Ricco Gebhardt. Vize-Fraktionsvorsitzender Bartsch hat bisher als einziger Mann eine Kandidatur für den Parteivorsitz angekündigt. Kommentar & Politik Seiten 2 & 6