Vonseiten der Bundesregierung gab es für die Freilassung erst am Abend eine Bestätigung - man ist vorsichtig geworden. Der Fall beschäftigte den Krisenstab des Auswärtigen Amts - inzwischen eine permanente Einrichtung - schon seit April. Auf Anweisung von Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) reiste dessen Leiter Rüdiger König (57) schließlich sogar selbst auf die Philippinen. In Manila gab es Gespräche mit der Regierung. Was sonst noch so alles passierte, darüber schwieg man sich in Berlin aus.

Zu den Lösegeld-Forderungen von Abu Sayyaf - vier Millionen Euro - hieß es in der Bundesregierung immer nur lapidar: "Kein Kommentar." Bei Entführungen gilt das alte Motto besonders: Über Geld spricht man nicht. Das Argument dahinter: Wer Lösegeldzahlungen zugibt, macht sich zum Ziel neuer Erpressungen. Einer, der mit solchen Fällen früher betraut war, meint: "Eine Regierung darf zahlen - solange sie bereit ist, stets darüber zu schweigen."

Zu aktuellen Entführungen sagt die Bundesregierung deshalb so gut wie nie etwas. Nicht einmal eine genaue Zahl dazu, wie viele Deutsche sich derzeit irgendwo auf der Welt in der Hand von Kidnappern befinden, ist bekannt.

Nach der Freilassung des Seglerpaars und eines in Pakistan verschwundenen Entwicklungshelfers, der vergangene Woche in Afghanistan vom Kommando Spezialkräfte (KSK) in Empfang genommen werden konnte, dürften es aber nur noch wenige sein.

Allerdings gibt es eine Entwicklung, die Berlin mehr und mehr Sorgen bereitet. Geiselnahmen sind für Terrorgruppen zum lukrativen Geschäftsmodell geworden. Das Auswärtige Amt spricht von einer "weltweit operierenden Entführungsindustrie".

Nach Schätzungen der "New York Times" sollen europäische Regierungen seit 2008 allein an die Terrorgruppe Al Qaida mindestens 125 Millionen Dollar Lösegeld gezahlt haben.