Um die vorhandenen Stärken weiter auszubauen und gleichzeitig an den ebenso unstrittigen Schwächen zu arbeiten, erstellt Löbau derzeit ein Stadtentwicklungskonzept (SEKO). Dieses stellt die Voraussetzung für die künftige Gewährung von Fördermitteln zu Gunsten der städtischen Infrastruktur dar.
Ausgangspunkt für das Konzept ist eine Analyse der Schwächen, Stärken und Potenziale, über die die Stadt verfügt. Diese wurde in den letzten Monaten von der Stadtentwicklung Südwest gGmbH (STEG) durchgeführt und brachte nur wenig überraschende Erkenntnisse. So liest sich die Aufzählung der Risiken wie ein Querschnitt durch die Probleme der gesamten Region: Demographische Entwicklung, Wohnungsleerstand, Wegfall der Industrie und hohe Arbeitslosigkeit sind nur einige der Schlagworte. Dabei ist Löbau von all diesen Erscheinungen noch etwas stärker betroffen als der "Durchschnitt" der Region. Erschwerend kommt der Verlust des Kreissitzes hinzu, der die regionale Bedeutung der Stadt stark einschränkte.
Die Analyse zählt aber auch durchaus Potenziale und Stärken auf: Der Status als Mittelzentrum, die größtenteils gut erhaltene und sanierte Altstadt mit ihren vielen Sehenswürdigkeiten, das touristisch reizvolle Umland mit dem einzigartigen Gusseisernen Turm und dem rekonstruierten Honigbrunnen, das rege und aktive Vereinsleben. Hinzu kommt die Tatsache, dass täglich 4500 Schüler in die "Schulstadt" Löbau einpendeln und diese zumindest tagsüber mit Leben füllen. "Wir verfügen auch über eine gute kulturelle Infrastruktur mit unserem Stadtmuseum, dem Kulturzentrum Johanniskirche, der Bibliothek und der Villa Schminke", erklärt Bürgermeister Guido Storch.
Dies alles kann aber nicht darüber hinweg täuschen, dass die künftige Entwicklung der Stadt mit der Wirtschaft steht und fällt. "Mit der Bison Palfinger GmbH und der Hess Lichttechnik GmbH verfügen wir über Leuchttürme, was aber noch nicht ausreicht", schätzt der Bürgermeister ein. Vieles, so geht er mit der STEG-
Analyse konform, hängt vom zügigen Weiterbau der Bundesstraße 178 von der Autobahnabfahrt Weißenberg bis Zittau und darüber hinaus ab, die immerhin schon die Löbauer Innenstadt erheblich vom Durchgangsverkehr entlastet. Auch die derzeit komplizierte innerstädtische Verkehrsführung müsse "entwirrt" werden. Erforderlich sei auch ein effektiveres Stadtmarketing sowohl in wirtschaftlicher als auch in touristischer Hinsicht. Nicht zuletzt müsse man den vermeintlichen Nachteil der Grenzlage in einen Vorteil verwandeln - durch aktives Zugehen auf die tschechischen und polnischen Nachbarn: "Dabei sind Sprachkenntnisse gefragt", so Bürgermeister Guido Storch. In den kommenden Wochen haben nunmehr die Löbauer Bürger das Wort, bevor das SEKO im Dezember vom Stadtrat beschlossen werden soll.

Zum Thema Löbauer Geschichte
  Löbau wurde erstmals 1221 durch den Meißener Bischof Bruno II. erwähnt
war Sitz des 1346 gegründeten Oberlausitzer Sechsstädtebundes
erreichte durch die Eingemeindung von 23 Ortsteilen eine Fläche von etwa 79 Quadratkilometern (zum Vergleich Bautzen: 67)
hatte (mit den heutigen Ortsteilen) im Jahre 1990 22 000 Einwohner, heute sind es noch etwa 17 000; für 2020 sind 15 600 prognostiziert.
Zu den Löbauer Stärken zählt zweifellos die weitgehend prachtvoll sanierte Innenstadt, hier mit dem Rathaus und der Nikolaikirche.