Wie ein weißer Teppich liegt das lang gestreckte Beet den Besuchern zu Füßen. Nur wenige Meter hinter dem Eingang der Landesgartenschau in Löbau wachsen die Frühlingsblumen dicht an dicht: Tulpen, Akeleien, Purpurglöckchen und Vergissmeinnicht. Ihre zarten Blüten sollen an den Zucker erinnern, der hier einst im großen Stil produziert wurde. Jahrzehntelang zählte das riesige Industrieareal am Fuße des Löbauer Bergs zu den größten Schandflecken der Stadt.

Nun haben unzählige Gärtner, Landschaftsarchitekten und andere Helfer das 20 Hektar große Gelände in eine einzigartige Erlebniswelt verwandelt. Mehr als 100 000 Blumen in 50 Sorten blühen schon jetzt. Hunderte Bäume wurden gepflanzt, neue Wege und Freiflächen angelegt. "Auf kurzem Weg ins Grüne" hat die Stadt die Schau überschrieben, die am Sonnabend mit viel Musik und Prominenz eröffnet wurde. In der eigens neu errichteten Veranstaltungshalle moderierten Uta Bresan und René Kindermann eine eineinhalbstündige Gala, die mit Bildern der Verwandlung Löbaus seit dem ersten Spatenstich im April 2010 begann.

Gänsehaut bei der Eröffnung

Passend dazu spielte das Görlitzer Kinder - und Jugendsinfonieorchester "Grenzenlos" auf der Bühne den energischen Soundtrack von "Fluch der Karibik". Auch wenn es draußen sommerlich warm war, erzeugte das bei manchem Besucher wohl eine Gänsehaut. Nur einer blieb ganz gelassen. Wie er sich denn fühle in diesem Moment, fragte Moderatorin Bresan Löbaus Oberbürgermeister Dietmar Buchholz (parteilos). "Alles ganz normal", antwortete dieser kauzig und erntete einige Lacher.

Wie wenig "normal" dieses Projekt tatsächlich ist, machte wenig später Ministerpräsident Tillich deutlich. In seiner blumigen Eröffnungsrede sprach er von einem "furiosen Start". "Das Blütenmeer ist vergänglich, aber hier ist etwas entstanden, das der Region immer erhalten bleiben wird." Tillich forderte die Menschen auf, nun das neue kleine Paradies in Besitz zu nehmen. Mehr als 200 000 Besucher werden bis zum Ende der Landesgartenschau am 14. Oktober erwartet. Rund 400 Veranstaltungen sind für sie geplant.

Schon am Wochenende nutzten Tausende die erste Gelegenheit und das traumhafte Wetter, um die Berg- und Talpromenade zu erkunden - zu Fuß oder mit der Gartenschaubahn, so wie Steffen Hartmann aus Leipzig, der zusammen mit seiner Frau Stefanie nach Ostsachsen gekommen ist. "Wir waren bis jetzt bei jeder Schau", sagt er. "Löbau hat sich richtig herausgeputzt. Das ist alles sehr liebevoll gestaltet."

In der großen Blumenhalle herrscht dichtes Gedränge. In der Wechselausstellung werden in den kommenden Wochen 14 verschiedene Schauen zu sehen sein. Zur Premiere gibt es "Blütenzauber aus der Oberlausitz" zu bewundern - Dahlien, Lilien und Pelargonien zum Beispiel.

Maskottchen als Fotomotiv

Nur Friedrich muss draußen bleiben. Das sperrige Maskottchen der Gartenschau stellt den gusseisernen König-Friedrich-August-Turm auf dem Löbauer Berg dar, das Wahrzeichen der Stadt. Es trägt eine rosafarbene Blüte am Dach - und ist ein beliebtes Fotoobjekt auf dem "Zuckerplateau", dem zentralen Platz auf dem Gelände.

Ähnlich ergeht es auch Sachsens Blütenkönigin Christin Gensmann, die mit Schärpe und Kranz für das heimische Obst werben will. Wahlweise halten sie die Gäste auch schon mal für die "Spargelfürstin", die "Sachsenfee" oder einfach "Miss Sachsen". Egal, auf jeden Fall wollen sie ein Foto mit ihr. "Wenn ich mir diese Pracht hier in Löbau anschaue, dann bin ich einfach stolz, die sächsischen Blüten repräsentieren zu dürfen", sagt die junge Frau, die ihr Amt in wenigen Wochen an eine Nachfolgerin übergeben wird. "Das ist eine einmalige Mischung aus Kunst und Natur. Kommt nach Löbau, kann ich nur sagen."