Das Kontrollgremium um Aufsichtsratschef Werner Müller stütze die Position des Vorstands, hart zu bleiben und nicht auf die Forderung der GDL nach Auflösung der Tarifeinheit einzugehen, teilte die Bahn am Donnerstag nach einer außerordentlichen Sitzung des Gremiums mit. Der Aufsichtsrat bitte die GDL, mit der Bahn in Verhandlungen einzutreten.

Profiteure des Streiks

Tausende Brandenburger warteten am Donnerstag vergeblich auf ihren Zug und für das Eisenhüttenstädter Stahlwerk wird es langsam kritisch – der bislang größte Streik in der Geschichte der Deutschen Bahn hat am Donnerstag den Schienenverkehr in der Mark fast zum Erliegen gebracht. „Zwischen 85 und 90 Prozent aller Züge fielen aus“, sagte ein Bahnsprecher in Berlin.

Nicht nur Fahrgäste, sondern auch viele Unternehmen bekamen die Auswirkungen zu spüren – denn bereits seit Mittwoch läuft der Arbeitskampf der Gewerkschaft der Lokführer (GDL) im Güterverkehr. Die Streiks sind auf 62 Stunden bis Samstagmorgen um 2 Uhr angesetzt.

Fluggesellschaften und Autovermietungen profitieren von den massiven Lokführerstreiks bei der Bahn. Air Berlin spürt eine höhere Nachfrage auf mehreren innerdeutschen Strecken. Für Flüge zwischen Düsseldorf und Hamburg seien zum Beispiel bis zu 30 Prozent mehr kurzfristige Buchungen eingegangen, sagte eine Sprecherin am Donnerstag. Auch auf anderen Verbindungen, die vor allem Geschäftsreisende nutzen, gebe es ein höheres Aufkommen.

Auch Germanwings registrierte mehr Buchungen als an gewöhnlichen Werktagen. „Wir haben einen signifikanten Anstieg der Buchungsdynamik“, sagte Sprecher Heinz Joachim Schöttes. So seien auf den Strecken von Köln, Dortmund und Berlin nach München sowie von Stuttgart nach Dresden zehn bis 15 Prozent mehr Tickets verkauft worden. Auch Autovermieter meldeten gestiegene Umsätze.

Forderung nach Bahn-Reform

Gleichzeitig äußerten sich der Aufsichtsrat sowie der Vorstand besorgt, dass eine politische Absage der umstrittenen Teilprivatisierung der Deutschen Bahn „unabsehbare negative Konsequenzen“ für den Konzern haben werde. Beide Gremien begrüßten deswegen das im Koalitionsausschuss erörterte so genannte Holding-Modell als „praktikablen Weg“. Dabei müsse der Konzern allerdings als integrierter Konzern erhalten und damit die Arbeitnehmerinteressen geschützt bleiben.

Die große Koalition konnte sich bislang nicht auf ein Modell einigen. Mit Hilfe des Holding-Modells soll nun versucht werden, ein Scheitern des Projekts zu verhindern. Dabei würden der Fern-, Regional- und Güterverkehr sowie die Speditionstochter Schenker in eine Holding überführt, an der sich auch private Investoren mit einer Minderheit beteiligen können sollen. Das Schienennetz bliebe im Mutterkonzern und würde nicht privatisiert.

Die Aufsichtsratssitzung war auf Drängen der Gewerkschaften Transnet und GDBA einberufen worden. Deren Chefs Norbert Hansen und Klaus-Dieter Hommel sind Mitglied in dem Gremium. Sie sind besorgt, dass das Holding-Modell der Einstieg in die Zerschlagung der Deutschen Bahn sein könnte.

Gewerkschaften lehnen Privatisierung ab

Beide Gewerkschaften lehnen jegliche Form der Trennung des rund 34 000 Kilometer langen Schienennetzes von den Transportsparten Güter-und Personenverkehr ab. Dies würde den Tarifvertrag zur Beschäftigungssicherung gefährden, hieß es. Derzeit gilt für die rund 130 000 nicht verbeamteten Beschäftigten der insgesamt rund 230 000 Mitarbeiter der Deutschen Bahn bis 2010 ein so genannter Beschäftigungssicherungstarifvertrag.

Infos zum Bahn-Streik unter www.bahn.de/aktuell