Das geht aus einer Studie zur "religiösen und kirchlichen Ansprechbarkeit von Konfessionslosen in Ostdeutschland" hervor, die das Sozialwissenschaftliche Institut der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) und die Evangelische Landeskirche Anhalts dieser Tage in Dessau (Sachsen-Anhalt) vorstellten. Für die Studie wurden je 40 Konfessionslose und Kirchenmitglieder aus Anhalt und Mecklenburg über ihre Meinung zur Evangelischen Kirche und ihrem gesellschaftlichen Engagement befragt.
Wie die Verfasserin der Studie, Maren Rinn, vor Journalisten sagte, sei das Urteil vieler Befragter oft von Lebenserfahrungen aus der Zeit der DDR geprägt. "Was damals in den Schulen gelehrt wurde, wirkt nach." So wollten sich viele Menschen nicht mit kirchlichen Inhalten auseinandersetzen, weil sie Religion und moderne Wissenschaft für nicht vereinbar hielten. Auch werde der Kirche bis heute ihre Beteiligung an Hexenverbrennungen und Kreuzzügen vorgeworfen. "Viele Menschen haben auch Angst vor einem eigenen Kontakt mit der Kirche", betonte Rinn. "Sie fürchten, ein Aufnahmeformular auf den Tisch gelegt zu bekommen, sobald sie bei einem Pfarrer im Büro sitzen."
Dagegen lobten viele Konfessionslose das soziale Engagement von Kirche und Diakonie. "Auch wer nicht zur Kirche gehört, erwartet von ihr, dass sie sich für sozial Schwache und Bedürftige einsetzt", sagt Rinn. Hervorgehoben wurde auch die Arbeit kirchlicher Schulen und Kindertagesstätten. "Dabei waren viele Befragte der Ansicht, dass eigentlich der Staat für die Vermittlung von Werten zuständig sei." Der Kirche sei man dankbar, dass sie sich engagiere, wo staatliche Institutionen "aus Sicht der Menschen versagten". Der Ausbau einer klar profilierten Sozialarbeit sei daher eine der größten Chancen der Kirche, um Konfessionslose zu erreichen.