Herr Zschiedrich, ungewöhnlich viel Eisenhydoxid verockert die Spree. Kommt die braune Brühe aus den Altkippen der LMBV?
Man muss den Einzugsbereich der Spree in zwei Hauptabschnitte unterteilen. Im ostsächsischen Teil bis zur Talsperre Spremberg kann man sagen, dass die Hauptfrachten, die sich in Richtung Spree bewegen, aus den Kippenbereichen stammen, die in LMBV-Verantwortung liegen.

Bei dem anderen Teil, der sich in Richtung Spreewald bewegt, ist die Sache nicht ganz so einfach. Dort haben wir zum einen Kippenareale und gewachsene Bereiche, die jetzt durch den Grundwasserwiederanstieg ausgespült werden. Dort ist es aber mit der Verantwortung nicht ganz so einfach, weil sich dort eine Reihe von Niedermooren befinden und diese auch einen natürlichen Austrag an Eisenhydroxid haben. Letztlich muss die LMBV das Projekt aber erst mal in seiner Gesamtheit bearbeiten.

Dass beim Wiederanstieg des Grundwassers braunes Eisenhydroxid ausgewaschen wird, ist lange bekannt. Waren die Probleme nicht absehbar?
Eindeutig nicht. Wir haben seit Mitte der 90er-Jahre sehr intensiv an der Verfeinerung der Grundwasser-Wiederanstiegsprognosen gearbeitet. Und die Prognosen haben uns auch verlässliche Aussagen in der Vergangenheit gebracht, was die Flutung unserer Bergbaufolgeseen betrifft. Die Fließgewässer, die sich in Richtung Spree bewegen, haben erst in den vergangenen ein, zwei Jahren Grundwasseranschluss erhalten. Den hätten sie teilweise noch nicht, wenn wir in den vergangenen Jahren nicht so extreme Niederschläge gehabt hätten. Das konnte man nicht prognostizieren. Hätten wir auf der Grundlage erster Studien, die wir schon 2008 in Auftrag gegeben hatten, konkrete Abwehrmaßnahmen geplant, wären die falsch gewesen.


Die Natur hat Ihnen also ein Schnippchen geschlagen?
Die enormen Niederschläge haben zur Beschleunigung dieser Situation beigetragen. Aber eingetreten wäre die massive Braunfärbung auf jeden Fall, jedoch drei bis vier Jahre später. Aber selbst, wenn das zeitverschoben passiert wäre, hätte man nicht vorzeitig mit Abwehrmaßnahmen beginnen können, weil wir nicht gewusst hätten, in welchen Bereichen der Fließgewässer konkret die Berlastungen eintreten.

Sie hängen mit der LMBV von öffentlichen Geldern ab. Hat Geld da eine Rolle gespielt?
Die LMBV hat auf Grund der Finanzierung aus der öffentlichen Hand die Verpflichtung zum sparsamen und effizienten Umgang mit den Mitteln. Jedoch hat die Bereitstellung der Gelder in diesem Fall keine Rolle gespielt. Wir haben alle Maßnahmen finanziert bekommen, die im Zusammenhang mit dem Grundwasserwideranstieg stehen. Es gibt nicht ein einziges Projekt, das durch den Steuerungs- und Budgetausschuss gekürzt oder verhindert wurde. Wir haben alle notwendigen finanziellen Mittel erhalten, um diese Prozesse zu untersuchen, zu ergründen und die richtigen Planungen aufzulegen.

Im Südbereich des Spreewaldes bei Vetschau und Raddusch sind die Probleme besonders sichtbar. Wie schnell kann dort eine sichtbare Verbesserung der Wasserqualität erreicht werden?
Wir müssen jetzt gezielte Abwehrmaßnahmen treffen, um eine Barriere vor den Spreewald zu legen, um den Zustrom des eisenbelasteten Wassers in den Südumfluter zu verhindern. Denn im inneren Spreewald gibt es das Phänomen noch nicht. Wir werden jetzt Maßnahmen einleiten, wo wir den Zustrom zum Südumfluter im Bereich des Greifenhainer Fließes durch die Aktivierung der Grubenwasserreinigungsanlage Vetschau zeitnah unterbinden. Wenn wir das geregelt bekommen, wird es noch in diesem Jahr ein sichtbares Zeichen geben.

Hätte man mit der Reaktivierung der Grubenwasserreinigungsanlage nicht schon früher beginnen können?
Wir konnten solche Prognosen, dass zum Beispiel das Greifenhainer Fließ seine Fracht über das Eichower Fließ bringt, nicht erarbeiten. Die ersten Gutachten sagen dazu überhaupt nichts aus. Sie haben teilweise völlig abweichende Charakteristika. Während im Greifenhainer Fließ die Situation in den Wintermonaten eine andere als in den Sommermonaten ist, ist das Verhalten des Vetschauer Fließes wieder völlig anders.

Gibt es etwas, wo Sie mehr Unterstützung von der Politik erwarten?
Sicherlich ist die Aufmerksamkeit in der Politik eine große geworden. Wir haben zwar über das Verwaltungsabkommen Braunkohlesanierung die notwendigen finanziellen Mittel. Bei den Maßnahmen zum Grundwasserwiederanstieg entsteht aber immer auch ein Abwägungsprozess zwischen verschiedenen Betroffenheiten. Man will zum einen den Schutz vor dem Wiederanstieg des Wassers. Der Nächste sagt aber, dass damit in die Umwelt eingegriffen wird. Wir bitten deshalb um Augenmaß, in der naturschutzrechtlichen Begleitung und den noch zu erteilenden Genehmigungen. Und da wir hier über bergbauliche Dinge reden, wäre es gut, dass das Landesbergamt als bündelnde Behörde auftritt und die Koordinierung zwischen den Behörden wahrnimmt.